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Manchmal notwendig ... Fische töten

(zum Gastbeitrag von von Klaus Tegelhütter, Belm zum juristischen Aspekt des Themas)

  Liste Vorbemerkungen
Liste Gründe
Liste Geeignete Methoden
Liste Ungeeignete und tierquälerische Methoden
Liste Was das Tierschutzgesetz sagt
Liste Literatur
 

Vorbemerkungen

Leider ist es ab und zu notwendig einen Fisch zu töten, weil das Tier sich sichtlich quält und ihm nicht mehr zu helfen ist. Tote und verwesende Fische können, werden sie nicht rechtzeitig gefunden, zudem das Aquarienwasser verunreinigen. Diese Entscheidung kann und soll sich niemand leicht machen, sie darf erst an allerallerallerletzter Stelle stehen und ist immer nur Schadensbegrenzung, niemals Lösung.

Der Grund sollte auf jeden Fall geklärt werden und das Tier ggf. so getötet, daß es sich später noch mikroskopisch untersuchen läßt. Viel öfter als die meisten Besitzer glauben sind Pflegefehler zumindest mitverantwortlich für das Leiden eines Tieres. Jedem ernsthaften Tierfreund liegt daran, die genauen Ursachen für Krankheit und Tod eines Pfleglings zu kennen, auch wenn das Ergebnis unangenehm für ihn oder sie selbst ausfällt! Dann hat das Ganze zumindest einen Lerneffekt gehabt - oder es stellt sich heraus daß wirklich alles getan wurde und die Krankheit oder das Problem nicht zu verhindern war.

Selbst bekannte Buchautoren schweigen sich über dieses Thema aus, allerdings wächst seit einiger Zeit die Anzahl der Zeitschriftenartikel. Im deutschsprachigen WWW gab es nur eine Quelle[2] als ich die erste Version dieses Artikels schrieb, inzwischen gibt es eine zweite[6]. Alle sind unter Literatur genannt.

Der einfachste Weg einen Fisch zu töten ist, es jemanden anders machen zu lassen. Das finde ich unpassend, denn genau wie die Freude über ein gut gepflegtes, optimal funktionierendes Aquarium oder über den jüngsten Nachzuchterfolg gehört auch das Töten von Tieren, denen nicht mehr anders zu helfen ist, zur Aquaristik dazu. Fehlen jedoch Mut und geeignete Mittel hilft der Tierarzt (evtl. auch ein guter Händler), bevor die Aktion für beide, Fisch und Pfleger, zur Quälerei wird. Ein Tierarzt hat Betäubungsmittel und Spritzen, mit deren Hilfe ein Tier ohne Leiden getötet werden kann.

Ob Fische Schmerz empfinden können, darüber streiten sich die Experten. Angler verneinen das, die meisten andern Experten streiten sich nur über Art und Grad. Eindeutige Aussagen dazu gibt es nur im Tierschutzgesetz: Es spricht allgemein von Wirbeltieren, Ausnahmen für wechselwarme Tiere oder Wasserbewohner sind nicht vorgesehen. Also müssen Fische behandelt werden wie andere Wirbeltiere auch, das Töten hat auf jeden Fall schmerzlos, fachgerecht und nur aus gutem Grund zu erfolgen. Die persönliche Einstellung des Ausführenden zum Thema "Schmerzempfinden von Fischen" spielt dabei keine Rolle, er macht sich bei Anwendung einer ungeeigneten Methode strafbar.

 

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Gründe

Den meisten Aquarienfische geht es schlecht, weil der Besitzer beim Kauf nicht aufmerksam genug war (kranke oder nicht ins Aquarium passende Tiere), oder weil die Pflege vernachlässigt wurde, und sei es durch Unkenntnis. Also bitte: Genau überlegen und informieren bei der Anschaffung! Aquariengröße und Besitzerstolz stehen selten in einem für die Bewohner gesunden Verhältnis.

Manchmal ist der Grund für das Leiden eines Fisches einfach Altersschwäche, solche Tiere magern ab und fressen nicht mehr, werden träge, viele ziehen sich zurück. Interessant wäre es, für diese Diagnose die Lebenserwartung der Art zu kennen. Leider gibt es dazu kaum Daten in der Literatur. Aber seit Entstehen dieses Artikels im Mai 1997 haben Rainer Schneck (Altersliste) und Manfred Velt (Die Lebensdauer der Fische) Listen dazu aufgebaut.

Meistens muß ein Fisch aufgrund einer Krankheit getötet werden, weil abzusehen ist daß dem Tier nicht mehr geholfen werden kann. Dann ist es besonders wichtig die Ursache zu erforschen, um zu verhindern daß die Mitbewohner Schaden nehmen. Zu den möglichen Ursachen einer Krankheit zählen u.a. falsche Hälterungsbedingungen (Wasserwechsel zu selten, ungeeignetes oder zu altes Futter, zu viel Futter, nicht harmonierende Mitbewohner, Überbesatz etc.), die die Tiere schwächen und Infektionen Vorschub leisten können. Häufig sind die Bedingungen beim Import und eingeschleppte Krankheiten verantwortlich, hier schützen sorgfältige Auswahl beim Kauf und ein Quarantänebecken.

Einen Parasitenbefall kann der Tierarzt feststellen, selbst dann wenn er oder sie sich mit Fischen nicht auskennt. Zur Klärung der Diagnose und zum Finden einer evtl. notwendigen Behandlung der Überlebenden gibt es Literatur und beratende Institutionen.

Sind Jungfische deformiert und mißgebildet, ist oft unzureichende Ernährung während der ersten Wochen verantwortlich. Gerade zu diesem Zeitpunkt ist die Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen, hochwertigen Eiweißen etc. besonders wichtig, Versäumnisse können nie wieder aufgeholt werden.

 

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Geeignete Methoden

 
  1. Vergiften mit einem Medikament. Ich verwende dazu Tricain, Wirkstoff MS 222 (Quelle: Tierarzt). Es ist zwar relativ teuer, aber für mich die einzig praktizierbare Methode. Eine zuverlässige Dosis zum Töten eines Fisches sind 1g/l Wasser, die Wirkung tritt innerhalb von 10 Minuten ein. Geringere Dosen dieses Medikamentes können zum Beruhigen während eines Transportes (10 mg/l) oder zum Betäuben für einen Abstrich (je nach Fischgröße 50 bis 130 mg/l) eingesetzt werden [1]. Zum Anrühren der Lösung sollte Wasser frisch aus dem Aquarium verwendet und in einen sauberen, der Größe des Tieres angepaßten Behälter vorbereitet werden.
     
  2. Kopf- oder Genickschnitt - die schnellste Methode. Dazu benötigt man eine scharfe Schere oder ein scharfes Skalpell. Bei kleinen Fischen kann so der Kopf abgetrennt werden, bei größeren setzt man das Skalpell hinter dem Auge an und schneidet dann tief ein bis zum Kiemendeckel. Besonders größere Fische können vorher narkotisiert werden, damit sie nichts mitbekommen und ruhig liegen [1]. Hierzu gehört etwas Übung, ggf. kann an bereits getöteten Fischen trainiert werden.
     
  3. Salzeiswasser - mit Salz versetzes Wasser hat einen Gefrierpunkt deutlich unter 0°C, je höher die Salzkonzentration, desto tiefer. Für so eine Lösung rührt man Salz in Warmes Wasser, bis sich nichts mehr löst und stellt es löngere Zeit in der Tiefkühltruhe. Ein mit diesem Wasser übergossener Fisch stirbt sofort. Diese Methode wird von Tierärzten empfohlen. Ich hoffe, es dauert noch sehr lange bis ich sie um ersten Mal anwende :-(.

 

 

Ungeeignete und tierquälerische Methoden

 
  1. Kochendes Wasser. Was für kleine Fische wie Salmler noch geeignet erscheinen mag ist für größere Tiere mit ziemlicher Sicherheit grausam. Kleine Fische, die in Sekundenbruchteilen "durchkochen" spüren sehr wahrscheinlich nichts, bei größeren dauert es entsprechend länger bis sie sterben. Dabei erleben sie die Zerstörumg ihrer Zellen bei lebendigem Leibe. Dieser Weg scheint einer der gebräuchlisten zu sein, da keine besonderen Untensilien benötigt werden und es bei kleinen Fischen wirklich schnell geht. Ich könnte es trotzdem nicht und empfehle es auch nicht.
     
  2. Alkohol. Empfohlen wird eine 10%ige Lösung, die das Tier einschlafen lassen soll. Was für uns Menschen human erscheinen mag halte ich für Tierquälerei. Denn Alkohol brennt gemein, wie jeder weiß dem schon einmal Hochprozentiges in eine frische Wunde geraten ist. Fischkiemen und -schleimhaut sind empfindlich! Außerdem ist nicht sichergestellt, daß die Methode wirklich tödlich ist.
     
  3. Einfrieren. Viele wechselwarme Tiere fallen bei bestimmten Temperaturen in Kältestarre. Fische sind wechselwarm, aber daraus zu folgern daß auch Fische in zu kaltem Wasser einfach einschlafen halte ich für falsch. Das Medium, in dem sie leben hat relativ gleichbleibende Temperaturen, denn Wasser ist ein guter Wärmespeicher und jahreszeitliche Veränderungen finden nicht im Laufe weniger Stunden statt. Fische zeigen bei zu niedrigen Wassertemperaturen Unbehagen, und dieses würde im Gefrierschrank über Stunden, je nach Größe des Tieres, ausgedehnt. Sie bekommen bis zur Bildung von zellschädigenden Eiskristallen alles mit. Es gibt seit neuestem auch Berichte über ein schmerzhaftes Platzen der Blutgefäße [3] (u.a. von einem User in einer Newsgroup, der bei einem so getöteten Fisch am Tag nach dem Einfrieren ein Blutgerinsel in Kopfnähe feststellte). Diese Methode wird leider immer noch praktiziert und, selbst bekannte "Experten" dürfen sie in aktuellen Büchern (Ersterscheinung ab 1998) noch vertreten! Diskussionen darum werden häufig emotional geführt, meist benutzen Befürworter den bekannt schmerzlosien Erfrierungstod bei Menschen als Pro-Argument. Nur sind Menschen Warmblüter, Fische nicht, das allein verbietet diese Schlußfolgerung. Wer Fische einfriert, um sie zu töten steht außerdem im Wiederspruch zum Tierschutzgesetz.
     
  4. "Holzhammermethode", d.h. so wie die Angler es als einzig zulässige Methode lernen. Mit einem speziellen Werkzeug, das kann im Notfall auch ein großer Schraubenziehergriff sein, bekommt das Tier einen Schlag auf den Kopf und wird wenigstens betäubt. Dann folgt ein Stich ins Herz oder den letzten Kiemenbogen folgen kann, es stirbt durch Blutverlust. Bei Landwirbeltieren heißt das "schächten" und wird als Tierquälerei in Deutschland nur aus religiösen Gründen toleriert. - Diese Methode ist nur Geübten zu empfehlen und nur bei größeren Fischen anwendbar. Der Tod tritt durch einen Genickschnitt schneller ein.
     
  5. Varianten der "Holzhammermethode" gibt es einige, die für wirklich Geübte z.T. auch akzeptabel sind. Das geschickte Werfen eines Fisches auf den Fußboden zum Brechen seines Genickes gehört dazu. In diese Kategorie fällt auch das schnelle Zerdrücken des Kopfes bei kleinen Fischen.
     
  6. Lebend die Toilette hinunterspülen. Es soll Leute geben, die das mit unerwünschten Tieren machen - egal ob so gequälte Fische gesund oder krank sind, diesen Leuten gehört die rote Karte gezeigt. Die Tiere leiden, möglicherweise tagelang, und die Besitzer haben in jedem Fall einen stärkeren Schaden als der kränkste Fisch.
     
  7. Weitere ungeeignete Möglickeiten gibt es viele. Ich will aber helfen Fische human zu töten, nicht die an ihnen praktizierten Grausamkeiten sammeln. Daher verzichte ich auf die weitere Beschreibung.

 

 

 

Was das Tierschutzgesetz sagt

 

§4 (1) Ein Wirbeltier darf nur unter Betäubung oder sonst, soweit nach den gegebenen Umständen zumutbar, nur unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden. Ist die Tötung eines Wirbeltieres ohne Betäubung im Rahmen weidgerechter Ausübung der Jagd oder auf Grund anderer Rechtsvorschriften zulässig oder erfolgt sie im Rahmen zulässiger Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen, so darf die Tötung nur vorgenommen werden, wenn hierbei nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen entstehen. Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat. [...]

§17 Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer 1.ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder 2.einem Wirbeltier a.aus Roheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder b.länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt. (Als vernünftiger Grund gilt die beabsichtigte Weiterverwendung als Lebensmittel, "mag ich nicht mehr" ist kein Grund!)

 

 

Literatur

[1] Dieter Untergasser, Krankheiten der Aquarienfische, Frankh'sche Verlagshandlung Stuttgart
[2] Der letzte Ausweg?! <http://www-public.rz.uni-duesseldorf.de/~gohr/reef/euthan.htm Universität Düsseldorf> (Link leider ungültig)
[3] Gohr/Block, Das Töten von Fischen, Aquaristik aktuell 9-10/98, S. 54
[4] Klaus Tegelhüter, Einige Gedanken zum tierfreundlichen Abtöten von Fischen (siehe auch Gastbeitrag) mit einem Zusatz von Norbert Grunwald, Regenbogenfisch 3/98
[5] Fischkill-FAQ der AquariumBBS

Sollten einige Formulierungen etwas drastisch und tendentiell ausgefallen sein, so bitte ich um Nachsicht. Wenn es um das Wohl meiner Pfleglinge geht gibt es für mich keine Komprimisse. Über vieles läßt sich streiten, und vieles hängt einfach von Art und Größe des Fisches und den Vorkenntnissen des Besitzers ab.

Erste Version Mai 1997

 

(06/2001)·Logo, klein  Renate Husmann 1997-2007
URL dieses Dokumentes: http://www.rhusmann.de/aqua/toeten.htm
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