|
|
|
Weiße Pünktchen wirksam ohne Medikamente bekämpfen(mit Anhang über den Dauereinsatz von Salz im Süßwasseraquarium) |
|
In den ersten drei Jahren meiner Süßwasser-"Aquarianerkarriere" hatten meine Fische insgesamt 4 Mal weiße Punkte (Ichthyophthirius multifilis). Meistens habe ich mit Medikamenten aus dem Zoohandel zunächst nach Packungsanweisung behandelt, dann mit z.T. dreifach überhöhter Dosis und trotzdem bis zu sechs Wochen "herumgedoktert" - mit erheblicher Belastung für alle Beteiligten. Das Wachstum der Parasiten stagnierte, aber sie verschwanden nicht. Abhilfe schaffte eine ganz andere Therapie, nämlich die Kombination von Wärmebehandlung und Aufsalzung des Wassers. |
|
|
|
|
Ichthyophthirius multifilis, kurz "Ichtyo" oder auch "Grießkörnchenkrankheit", "Weißpünktchenkrankheit" genannt, ist eine der wenigen nach Augenschein diagnostizierbaren Krankheiten unserer Zierfische. Die 0,1-1 mm großen Pünktchen sind die "Mutterstadien" eines Wimperntierchens. Der so sichtbare, verkapselte Erreger kann nicht bekämpft werden, wohl aber die sog. "Schwärmer". Ausführlicher und mit Fotos beschreibt das Frau Ernst von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Wichtig ist vor allem, daß sofort behandelt wird. Dann ist die Krankheit so etwas wie ein "Fischschnupfen", unbehandelt führt sie zum Tode. Die Medikamente zur Bekämpfung sind frei im Handel erhältlich, enthalten i.d.R. Malachitgrünoxalat und/oder Methylenblau und färben das Wasser blaugrün. Warum sie bei mir nicht halfen, weiß ich nicht, möglich sind u.a. falsche Lagerung schon beim Händler (diese Mittel müssen unter Lichtabschluß und kühl und trocken gehalten werden), resistent gewordene Parasiten oder Wechselwirkungen mit anderen Stoffen (z.B. schwermetallbindendem Wasseraufbereiter). Vorteile und UnverträglichkeitenVorteile von Salz[5] als Medikament:
Manche Fische und Pflanzen vertragen aufgesalzenes Wasser nicht gut, auch bei der empfohlenen Temperaturerhöhung auf 30ºC kann es Probleme geben. Bitte vorher genau über die Patienten und deren Mitinsassen im Aquarium informieren! Welche Fische genau auf Salz empfindlich reagieren, ist nicht genau bekannt, bei vielen Angaben in der Literatur oder diversen Foren könnte es sich auch um Gerüchte handeln. Vorsicht ist geboten bei: Verschiedenen Welsen, vor allem Panzerwelsen und Otocinclus, Südamerikanischen Wildfängen (Neons, Diskus, kleinen Buntbarschen) und auch bei manchen Barben und Schmerlen. Pflanzen, die Schaden nehmen können sind Cabomba, manche Echinodorus, Anubias, Crinum, gut vertragen es Cryptocorynen. Mir ist durch Salz keine Pflanze eingegangen, aber es gab Wachstumsrückstände. Fische haben keinen Schaden genommen: Ich pflege hauptsächlich Regenbogenfische, Kilis, Labyrinther, Harnischwelse und Barsche aus dem Tanganjikasee. Besonders hartnäckig waren die Punkte bei Rotkopfsalmlern, die die Therapie problemlos vertrugen. Der positive Effekt des Salzzzusatzes bei sachgemäßer, vorsichtiger Anwendung geschieht durch Verschiebung des Inonenspektrums und der osmotischen Verhältnisse des Wassers und aller Bewohner. Kleine Organismen können sich wesentlich schlechter anpassen, das verschafft den Fischen einen wichtigen Vorteil. Außerdem entlasten die neuen osmotischen Verhältnisse die Fischnieren und lassen Hautzellen leicht schrumpfen - bei Hautparasiten ein weiterer Vorteil für Fische. Die TherapieVorbereitend ist ein großer Wasserwechsel (40%) zur Reduzierung von Schadstoffen durchzuführen, wenn der letzte mehr als einige Tage zurückliegt. Während der gesamten Behandlung muß belüftet werden. Vorteilhaft sind Gaben von Lebendfutter und Vitaminen zur Stärkung der Selbstheilungskräfte. Im Laufe von 36-48 Stunden wird dann zunächst die Wassertemperatur auf 30ºC bis 33ºC angehoben (+1ºC alle ein bis zwei Stunden, je höher die Endtemperatur sein kann, desto besser), mindestens jedoch um 3ºC über den Normalwert. Je höher, desto schneller sterben die temperaturermpfindlichen Schwärmer ab. Danach erfolgt die Salzzugabe in 3-4 Stufen über max. 24 h. Diese Stufen sind wichtig, damit sich die Filterbakterien anpassen können. Untergasser[3] nennt folgende Dosen für ein Dauerbad im Haltungsbecken:
Zwischenwerte sind abzuschätzen. Ab 2g/10 l werden Pflanzen geschädigt, ich habe genau diese Dosis bei 8ºdH erfolgreich eingesetzt, um einen Erfolg sicherzustellen. Fische und Filterbakterien hatten zuvor 6 Wochen lang ein Medikament ertragen müssen ... . Die folgende Behandlung einige Monate später war bereits mit der Hälfte der Dosis erfolgreich, ihr gingen keine Versuche mit blauem Wasser voraus. Zwei bis drei Tage nach begonnener Aufsalzung sind bei 30ºC die weißen Pünktchen verschwunden, die Schwärmerstadien sterben im Laufe der nächsten 7 Tage ab. Die Gesamtdauer der Behandlung beträgt also, abhängig von der Temperatur, 14-20 Tage. Durch mehrere Wasserwechsel von 20% bis maximal 40% und mehreren Tagen Abstand wird das Salz im Laufe der nächsten 1-2 Wochen wieder entfernt. Diese Therapie kann noch bei anderen Hautproblemen (Costia, Chilodonella, Trichodina, Pilze, Egel) angewendet werden, jedoch sind Behandlungsdauer und -temperatur i.d.R. anders. Ich habe es erfolglos bei neu gekauften Fischen mit Chilodonella versucht, dort half dann FMC [8] Bei anderen Neuzugängen brach Tuberkulose aus. Dort hat Salz, kombiniert mit Vitaminen und Lebendfutter, Neuinfektionen verhindert. Heilbar ist Tuberkulose nicht. Gegen Oodonium hilft das Salzrezept wie beschrieben, die Beckentemperatur von 30 - 32ºC ist sehr wichtig, Behandlungsdauer bei voller Salzdosis 3-4 Tage. Wenn Fische eine bis mehrere Ichthyo-Infektionen überstanden haben, dann sind sie bei artgerechter Haltung immun. Sie können aber gesunde, hinzugesetzte Fische anstecken (ist mir passiert). Die Krankheit kann auch durch an Pflanzen anhaftende Mutterstadien übertragen werden. Beim Kauf von Pflanzen aus Becken, in denen Fische leben ist also Vorsicht geboten. AlternativenBei Unverträglichkeiten ist es besser, weniger Salz zu geben, als die Temperatur zu senken. Soll wegen zu befürchtender Unverträglichkeiten kein Salz eingesetzt werden, lohnt ein Versuch mit Malachitgrünoxalat zinkfrei. Es ist ein grünes Pulver, das es in vielen Apotheken lose zu kaufen gibt (Achtung, färbt ungemein und ist sehr giftig, deshalb genau abwiegen lassen). Für einen Liter Stammlösung wird 1g Pulver mit einem Liter Wasser verrührt. Von dieser Lösung werden 6 ml je 100 Liter Beckeninhalt ins Aquarium gegeben, drei Tage später nochmal 3 ml pro 100 Liter. In Drei-Tages-Abständen mindestens zwei Mal wiederholen, oder bis die Pünktchen verschwunden sind. Reste der Lösung oder des Pulvers müssen kühl und dunkel aufbewahrt werden. Basisches Brillantgrün und Kristallviolett sind ebenfalls erprobte Mittel gegen Ichthyo, jedoch scheint Malachitgrün veträglicher. Bei Malachitgrünoxalat enthaltenden Medikamenten aus dem Zoohandel ("RABOMED", "COSTAPUR") empfehle ich auf jeden Fall eine Temperaturerhöhung, auch wenn das anders auf der Packung steht. Salzlösungen sind als Kurzbad (15 - 20 Minuten) für einzelne Fische möglich, Dosis 10g/Liter Wasser, 2-3 Mal im Abstand von zwei Tagen wiederholen. Diese Behandlung ist nur etwas für Spezialisten und Spezialfälle. Ich möchte das meinen Fischen nicht zumuten, habe keine Erfahrung damit und verweise auf die einschlägige Literatur. Bevor andere wirksame Methoden gegen Ichtyo entwickelt wurden, war die Umsetzmethode üblich: Der befallene Fisch wird im Laufe einiger Tage alle 12 Stunden in ein neues Aquarium umgesetzt, ohne Wasser des vorhergehenden mitzunehmen. Dadurch wird der Fisch nicht permanent von neu entwickelten Schwärmern befallen, denn diese bleiben zurück, bevor sie ihre Zyste verlassen haben. Lange Zeit existierte das Grücht, daß der Parasit in saurem Wasser nicht überleben kann. Das ist falsch, denn er überlebt selbst pH 5,0. Aber bei solchen Werten werden keine Schwärmer mehr gebildet.
Abmeßhilfe für Salz:
|
Anleitung in KurzformDetails siehe Abschnitt Therapie
|
|
Anhang: Dauereinsatz von Salz in SüßwasseraquarienAb und zu wird eine Aufsalzung von Süßwasseraquarien empfohlen, u.a. aus folgenden Gründen:
Ich sehe keinen Sinn darin Fischen, die das aus ihren Heimatgewässern nicht kennen, Salz ins Wasser zu geben. Die beste Krankheitsprophylaxe sind zudem optimale Hälterungsbedingungen. Die oben genannten Gründe sind IMO belanglos. Hilfreich ist es allenfalls bei Sonderfällen, wie Fischen aus den Mündungsgebieten großer Flüsse (Guppys oder westafrikanische Kilifische) oder bei Arten, die das Salzwasser erst vor entwicklungsgeschichtlich kurzer Zeit verlassen haben (Regenbogenfische, Grundeln). Empfohlen wird es auch für Hochzucht-Fische, z.B. die "schönen" bunten asiatischen Guppies und seit neuestem auch für bestimmte Diskus-Formen (!) ... . Auf Tiere, deren Wasser speziell behandelt werden muß, weil sie zu überzüchtet sind um sich selbst gegen normale Keime des Aquarienwassers wehren zu können verzichte ich dann besser! Für den Dauereinsatz ist Meerwasser-Aquariensalz besser geeignet als Kochsalz für den menschlichen Verzehr. Es enthält mehr Arten von Mineralsalzen und führt so Fischen und Pflanzen zusätzliche Nährstoffe zu. Als Dosis wird 1 EL/50 l Wasser empfohlen. Literatur und Hinweise[1] Aus der Zierfischklinik: Von weißen Punkten und trüber Haut, Aquaristik aktuell 3/96 Die ersten Daten zur Dosis erfuhr ich aus einem Thread im FISHNET bei CompuServe, die meisten Angaben stammen von Notizzetteln, Quelle nicht mehr feststellbar. Da ich nicht gewährleisten kann daß die Methode in anderen Becken unter anderen Bedingungen genau so gut wirkt und genau so problemlos ist wie bei mir schließe ich hiermit jegliche Haftung und Gewährleistung aus.
|
|
|
(11/2003)· |