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Zucht von Regenbogenfischen

  Wer sich einmal in diese faszinierenden Fische "verguckt" hat, wird sie sicher auch züchten wollen. Das ist gar nicht schwierig, wohl aber etwas arbeitsaufwendig und braucht Erfahrung.
 


Liste Allgemeines
Liste Gesellschaftsbecken
Liste Ablaichbecken
Liste Aufzucht in separaten Zuchtbehältern
Liste Entwicklung der Eier und Embyos
Liste Fütterung


 

Allgemeines

Da Regenbogenfische Dauerlaicher sind, kann ein Zuchtversuch jederzeit und ohne Berücksichtigung besonderer Laichzeit-Wasserwerte gestartet werden, es genügen die richtig für die jeweilige Art eingestellten Werte des Haltungsbeckens. Unterstützend wirken ein großer Wasserwechsel und eine regelmäßige Gabe von qualitativ hochwertigem Lebendfutter in der Woche zuvor. Morgensonne löst heftigstes Balzen und Farbenspiele aus, die ich so unter anderen Bedingungen nie beobachten konnte. Leider lassen sich Regenbogenfische nicht so einfach betrügen, Versuche mit künstlichen Lichtquellen wie z.B. einem 500 W-Halogenscheinwerfer schlugen bisher fehl.

Voraussetzung für jede erfolgreiche Zucht ist natürlich, daß sich die zukünftigen Elterntiere wohl fühlen und vor allem die Wasserqualität optimal ist. Balzaktivitäten gibt es auch unter ungünstigen Bedingungen, aber es erfolgt keine Eiabgabe.

Die verschiedenen Regenbogenfischarten sind nahe miteinander verwandt, viele Arten lassen sich untereinander kreuzen. Welche das genau sind ist noch nicht ganz klar, die einzelnen Regenbogenfischarten und -gattungen sind noch nicht ausreichend untersucht. Um Kreuzungen zu verhindern, sollte möglichst nur eine Art je Aquarium gehalten werden. Das empfehle ich auch aus optischen Gründen, denn ein großer Schwarm einer Art ist viel beeindruckender als ein Sammelsurium von mehreren Arten.

Für ernsthafte Zuchtversuche sollten die Weibchen mindestens 1 1/2 Jahre alt sein. Zwar sind auch viel jüngere Tiere schon geschlechtsreif, jedoch verpilzen deren Eier zu 80 - 90%. Außerdem sind die Eier sehr klein, so daß doch schlüpfenden Jungfischen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muß.

Die Tiere können im Gesellschaftsaquarium aufgezogen werden, oder die Eltern werden in einem Ablaichbecken zur Zucht angesetzt, oder die Eier werden im Gesellschaftsbecken abgesammelt und separat aufgezogen. Von Mitteln gegen Laichverpilzung rate ich ab, ich habe mehrere Mittel ausprobiert und hatte auch bei kleinen Dosen eine auffallend geringe Schlupfrate. Besser sind häufige Wasserwechsel.

Beim Durchlesen der Züchtertips von Dr. Allen [1] werde ich immer wieder neidisch auf die guten klimatischen Bedingungen und den vielen Platz, den er hat. Ich züchte nicht komerziell (ist ganz gut so, weil es mir immer wieder schwerfällt Tiere zu verkaufen und ich wohl verhungern würde <g>) und muß mich mit wesentlich bescheideneren Mitteln begnügen <seufz>.


Aufzucht im Gesellschaftsbecken

In schwach besetzten Gesellschaftsbecken gelingt die Zufallszucht durchaus. Voraussetzung ist aber, daß keine kleineren, räuberischen Oberflächenbewohner mit im Becken leben (Kilifische, Halbschnäbler etc.) und das reichlich Schwimmpflanzen und feinfiedrige, an der Oberfläche flutende Pflanzen vorhanden sind, in denen sich der Nachwuchs verstecken kann.

Aufzucht im Ablaichbecken

Je nach Größe und Schwimmfreudigkeit der erwachsenen Tiere wird ein spezielles Ablaichaquarium aufgestellt, Mindestgröße sollte, je nach Größe der Elterntiere, etwa 50 cm bis 1 m Länge sein - je größer desto besser. Der Rand wird dicht mit feinfiedrigen Pflanzen besetzt (Limnophila, Perlkraut, Tausendblatt, Hornkraut) und möglichst auch Javamoos hineingegeben. Ein starker Filter ist wichtig, evtl. auch Belüftung und abwechslungsreiches Futter (Frost- und Lebendfutter, Pflanzenkost) sowie ein wöchentlicher Wasserwechsel von 30-50%.

Zum Zuchtansatz genügt ein Paar, oder eine Gruppe von mindestens je 3 Männchen und 3 Weibchen. Die Gruppe ist die günstigste Lösung, da sich wie "zu Hause" Partner finden können und Aggressionen verteilt werden.

Die Tiere beginnen wahrscheinlich schon am ersten oder zweiten Tag mit der Eiablage. Zunächst werden es nur wenige Eier sein, in der zweiten oder dritten Woche werden erheblich mehr abgegeben. Dann kann man die Elterntiere herausfangen. Jetzt ist gute Wasserpflege besonders wichtig, ich empfehle zwei bis drei Mal wöchentlich 50%.

Aufzucht in separaten Zuchtbehältern

Das ist die von mir bevorzugte Methode, weil sie platz- und zeitsparend ist und die Entwicklung der kleinen Fische so am besten verfolgt werden kann.

Am Tag nach einem Wasserwechsel, morgens gegen 11.00 Uhr balzen meine Tiere besonders intensiv. Ich beobachte das und suche die Eier ab, bevor die Mitbewohner, die sich sehr auf Regenbogenfischkaviar freuen, sie fressen können. Auch die Elterntiere fressen ihren Laich! Ablaichmops können hilfreich sein - meine Tiere akzeptieren aber nur grüne aus Fadenalgen, die reichlich in meinem "Balkonteich" wachsen, solche aus Javamoos oder sehr grober grüner Filterwatte.

In einen beleuchteten Unterschrank stelle ich dann ein Einmachglas (1,5 l Inhalt), bringe eine Belüftung und je nach Jahreszeit einen Stabheizer an und tue etwas Pflanzenmaterial (Javamoos, Fadenalgen, Najas, Hornkraut ...) und das Laichsubstrat mit den Eiern hinein. Fadenalgen und Javamoos scheinen aufgrund der hohen Oberfläche eine biologische Filterwirkung zu haben und sollten nicht fehlen!

Bis zum Schlupf wechsele ich täglich etwa 50% des Wassers, danach täglich zwei Mal 30-50% und füttere 3-5 Mal täglich je nach der Anzahl der geschlüpften Tiere. In größeren Aufzuchtbehältern ist weniger Fütterung und sind weniger Wasserwechsel erforderlich.


Entwicklung der Eier und Embyos

Die Eier sind glasklar, je nach Art etwa 1mm groß und haften mit einem kurzen, elastischen Faden an feinfiedrigen Pflanzen. Die Entwicklung der Embryos läßt sich sehr gut beobachten, sie schlüpfen nach 6-10 Tagen, sinken kurz ab und halten sich danach nur noch an der Wasseroberfläche auf.

Zeigen sich Größenunterschiede, muß sortiert werden. Regenbogenfische sind gierige Fresser, die alles schlucken was 'reingeht, auch wenn es jüngere Geschwister sind. Mehr als 8-10 Tiere pro Behälter sind wenig sinnvoll, die übrigen kümmern und werden später gefressen. Außerdem scheinen die Männchen schneller zu wachsen und es ergibt sich so ein Männchenüberschuß.

Gut geeignet für die Aufzucht von nur wenigen Exemplaren sind z.B. handelsübliche Ablaichkästen (der bisher größte, den ich finden konnte ist NIDO II aus dem Hause Dohse Aquaristik), die direkt über einem Belüfterstein angebracht werden. Dazu müssen die Jungfische aber schon gut gewachsen sein, sonst schlüpfen sie durch Boden- und Seitengitter. In Netzkästen ist die Strömung und Durchmischung des Wassers geringer, meine Ergebnisse mit diesen Kästen sind nicht so gut.

Je nach Art dauert es ca. ein halbes Jahr, bis die Tiere 3 cm groß sind und beginnen Farben zu zeigen (mit den Farben sind meine M. lacustris ausnahmsweise schneller). Dann sind sie meist auch geschlechtsreif. Größere Arten benötigen aber zwei bis drei Jahre für ihre volle Farbenpracht und Endgröße.

Fütterung

Der Dottersack reicht nur wenige Stunden, daher sollte bald nach dem Schlupf mit dem Füttern begonnen werden.

Als Aufzuchtfutter eigenen sich alle im Handel erhältlichen, besonders feinen Futtersorten, die möglichst vier bis fünf Mal täglich gegeben werden sollten (richtet sich nach der Menge des Nachwuchses und der Größe des Aufzuchtbeckens sowie nach der Zeit, die der Pfleger dafür hat <g>). Ich bevorzuge flüssiges Futter (Liquifry) und feingeriebenes Infusoriengranulat (Protogen). Staubfutter (SERA micron) muß ins Wasser eingerührt werden, ich habe den Eindruck, daß ganz junge Fische die Wasseroberfläche nicht durchdringen können und nicht ans das Futter herankommen. Am besten ist natürlich ein Infusorienansatz.

Bei wenigen Tieren wächst auch genug Futter im Aufzuchtbehälter, um am Anfang ein bis zwei Mahlzeiten zu "ersetzen". Aber die Kleinen dürfen weder hungern, noch minderwertiges Futter bekommen! Solche Versäumnisse führen zu weniger farbenprächtigen erwachsenen Exemplaren, die dann degeneriert aussehen. Gelegentlich kommen ausgerenkte Unterkiefer vor, die vermutlich auch darauf zurückzuführen sind.

Das Wachstum ist sehr langsam. Nach zwei bis drei Wochen erst sind die Jungfische groß genug, um Artemien bewältigen zu können, die ab sofort das Hauptfutter darstellen sollten. Was und wieviel von den Artemien und sonstigem Aufzuchtfutter gefressen wird, läßt sich leicht an der Färbung und Wölbung der winzigen Bäuche überprüfen. Liegen die Schlupftermine der einzelnen Tiere weit auseinander sollten mehrere Futtergrößen gleichzeitig gegeben werden, besser ist eine Trennung des Nachwuchses nach Größen (s.o.). Ohne Artemien und ähnlich wertvolles Lebendfutter (mehr dazu in Dr. Allens Buch [1]) geht's natürlich auch, aber Überlebensrate und Wachstum sind geringer. Ein guter Kompromiß scheinen entkapsulierte Artemien zu sein - das teste ich gerade.

Fein zerriebenes Flockenfutter als "Frühstück" ist geeignet, wenn Artemien bewältigt werden können, sollte zunächst aber nur selten gegeben werden und nur, damit die spätere Umgewöhnung von Artemien auf "Dosenkost" nicht zu langwierig wird. Auch wenige Millimeter kleine Fische wissen was gut ist und entwickeln sich schnell zu Feinschmeckern <g>!

   
 

(10/1997)·Logo, klein  Renate Husmann 1997-2007
URL dieses Dokumentes: http://www.rhusmann.de/aqua/mel_zuch.htm