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Den nachfolgenden Artikel schrieb ich als Leserbrief zu einem Artikel
von Claus Schäfer in DATZ 12/97 (DATZ Praxis S.72) zum Thema "CO2-Düngung und Dauerbackhefe".
Er erschien in DATZ 2/98 an gleicher Stelle :-))) und wurde in der DATZ 2/99 zum besten ersten Leserartikel der DATZ Praxis 1998 gewählt <erröt> .
"Eine Zeitlang habe ich mit der Gärmethode experimentiert
und dabei einige Erfahrungen sammeln können. Anlaß für
diese Experimente waren Algenprobleme, die plötzlich in einem 450l-Becken
auftraten. Bis dahin konnte ich mir nicht vorstellen daß CO² notwendig sein
kann, denn ich betrieb über mehrere Jahre hinweg alle meine Aquarien ohne CO² und hatte nie Algen im Übermaß und ein prächtiges Pflanzenwachstum. Daher begann ich zunächst mit simplen, preisgünstigen Materialien. Glasballons für die Weinherstellung als Gärbehälter waren mir von Anfang an zu teuer und zu unhandlich.
Die Mengen, die ich nach Krause (Handbuch Aquarientechnik) errechnete und im Laufe der
Experimente nicht wesentlich veränderte entsprachen etwa denen aus dem Artikel in
DATZ 5/97 (bei mir 4,5 l Wasser, 900g Zucker, 4g Trockenhefe), jedoch genügte
das für 450l Aquarienwasser und knapp 4 Wochen Düngung. Der pH-Wert sank, als
das System endlich lief, von 7,8 (Leitungswasser, kH 4°) auf 6,6 innerhalb der ersten
beiden Wochen, danach aber immer noch bis 7,3.
Für den ersten Versuch besorgte ich einen 5l-Kunstoffbehälter aus dem
Laborbedarf und bastelte einen Schlauchanschluß mit Hilfe eines handelsüblichen
Luftschlauch-Verbindungsstückes und Heißkleber. Der erste Test ging schief,
denn ich gab noch etwas Mehl zu (wird manchmal zur Gärungsbeschleunigung bei
Obstweinen gemacht). Das initiierte eine "Turbo-Gärung", am nächsten Morgen japsten alle Beckenbewohner und hingen unter der Wasseroberfläche. Zu Ausfällen kam es zum Glück nicht, aber diese Erfahrung machte mich sehr vorsichtig.
Danach war der Behälter nie wieder dicht, wie ich später feststellte. Und genau das war bei mir das Hauptproblem - einen wirklich gasdichten, preisgünstigen Behälter aufzutreiben. Denn immer wenn es schien, als sei die Gärung nicht in Gang gekommen war nicht etwa die Temperatur schuld, sondern ein nicht gasdicht schließendes Behältergewinde (sollte vor dem Einsatz z.B. in der Badewanne getestet werden, hatte ich am Anfang versäumt). Ein leerer Aqua-dest.-Kanister, wieder mit einem aus einem Luftschlauchverbindungsstück und Heißkleber gebasteltem Schlauchanschluß erfüllte schließlich den Zweck (in den Behälter selbst gebohrt, nicht in den Verschluß). Zur Sicherheit stellte ich ihn noch in einen Eimer.
Thema Temperatur: War bei mir nie ein Problem, denn ich verwende
ausschließlich Außenfilter und habe im fraglichen Becken außerdem
die Drosseln für die Beleuchtung in einem Schaltkasten innerhalb des Unterschrankes
angebracht. Deshalb weiß ich, wie heiß Drosseln werden können und rate dringend davon ab, etwas daraufzustellen! Da ich in anderen Unterschränken,
in denen ebenfalls Außenfilter untergebracht sind und die nicht zusätzlich
durch einen Lichtschaltkasten "beheizt" werden Artemien innerhalb von 36 h zum Schlupf bringe, denke ich nicht daß für Außenfilterbesitzer mit Hefegär-Ambitionen wirklich eine Zusatzheizung nötig ist, allenfalls eine größere Hefemenge. (Anmerkung: Ich habe meine Unterschränke schon immer gerne auch zum Vorwärmen für Backzutaten und Wein und zum Gehen von Brot- und Kuchenteigen eingesetzt. Das klappte auch schon in der Zeit vor dem Lichtschaltkasten prima.)
Soll die Gärung doch unbedingt durch eine Heizung unterstützt werden, so ist sie im Gärbehälter nicht gut untergebracht! Zum einen gibt es mit Sicherheit Abdichtungsprobleme, zum anderen ist die ganze Angelegenheit auch so schon klebrig genug, ein Teil mehr erschwert das Hantieren nur unnötig. Eine Möglichkeit ist, den Gärbehälter in einen mit Wasser gefüllten Eimer zu stellen und das Wasserbad mit einem Stabheizer zu temperieren. Eine andere sind Handstablampen, wie es sie im Baumärkten für 5-10 DM in der Kfz-Abteilung zu kaufen gibt. Deren Kabel sind i.d.R. so schwach ausgelegt, daß sie sich bei eingeschalteter Beleuchtung erwärmen und so bei geringem Stromverbrauch als Unterschrank-Heizung dienen können. Diese Lösung ist simpel und vor allem elektrisch sicher.
Thema Abfallverwertung: Für die Entsorgung des Bodensatzes und eines geringen
Teils der Flüssigkeit habe ich ebenfalls eine Lösung: Im Sommer habe ich damit
die Kleinkrebse in meinem "Balkonteich" beglückt, die sich daraufhin kräftig vermehrten und dann zu Fischfutter wurden.
Die klebrige Planscherei wurde mir schließlich zu dumm, außerdem liegt der pH-Wert,
den ich für mein 450l-Becken anstrebe bei 7,2 und ich möchte ihn möglichst
gleichmäßig haben. So besitze ich inzwischen eine CO²-Anlage mit
automatischer Regelung über den pH-Wert. Die Anschaffung habe ich nicht bereut,
denn die Algen, wegen denen ich die ganze Aktion startete gingen tatsächlich
zurück und die Wasserwerte sind da, wo ich sie haben will. Als Test für die
Wirksamkeit von CO² war das Experiment aber durchaus sinnvoll.
Ich empfehle es jedem, der über CO²-Düngung nachdenkt und die Kosten einer professionellen Anlage zunächst scheut."
Foto des Unterschrankes,in dem ich mit Hefegärung experimentiert habe
aufgenommen kurz nach dem Aufbau des Beckens.
Inzwischen
steht noch eine CO²-Anlage drin (zum Größenvergleich: Die sichtbare Konstruktion ist ca. 1,60 m lang).
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