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In Memoriam Harvey, ein ganz besonderer Buckelkopfbuntbarsch (Steatocranus casuarius)Warum? Harvey hörte auf seinen Namen, und kam angeschwommen, wenn ich ihn rief. Hier ist die Geschichte dazu. |
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Harveys Geschichte![]() Ein Paar Buckelkopfbuntbarsche gehörte zu den allerersten Fischen, die ich besaß. Die beiden zogen drei Wochen nach der Anschaffung meines ersten Aquariums (200l) ein, zwei Wochen nach einem Trupp Siamesischer Rüsselbarben (Crossocheilus siamensis). Schon bei der Einrichtung des Aquariums hatte ich ihnen aus Steinen und Wurzeln Unterstände gebaut, die auch durch Bauarbeiten größeren Ausmaßes nicht zum Einsturz gebracht werden konnten. Die beiden bezogen einen dieser Unterstände, ließen sich selten sehen und waren sehr friedlich. Das Männchen entwickelte innerhalb weniger Wochen den typischen Stirnbuckel und zeigte auf eine schwer erklärbare Weise Intelligenz und Charakter. Aus Spaß begann ich mit ihm zu sprechen, und so kam das Tier in Anlehnung an das Theaterstück und den Film "Mein Freund Harvey" zu seinem Namen. Zu meiner großen Verblüffung schwamm er nach einiger Zeit jedesmal an die Frontscheibe, wenn ich vor dem Aquarium stand und nach ihm rief - der Zusammenhang war so erstaunlich wie eindeutig. Knapp sechs Wochen später trieb eines Morgens ein prächtiger Bestand Cabomba, der zuvor hinter Harveys Wohnhöhle gewuchert hatte an der Wasseroberfläche. Ähnlich erging es vielen anderen Stengelpflanzen im Umkreis von etwa 20-25 cm um die Höhle herum. Nach zwei Wochen kannte ich den Grund: Harvey hatte zusammen mit seiner immer noch sehr schüchternen Frau eine Familie gegründet! Die mußte natürlich verteidigt werden, und dafür brauchte er optimale Rundumsicht ... . Zu dieser Zeit schon nahm er Stücke von Futtertabletten aus meiner Hand oder von einer Pinzette, nach dem ich ihn gerufen hatte (das Futter war sicher der eigentliche Grund für die Reaktion auf seinen Namen <s>). War gerade kein Nachwuchs zu versorgen, dann fraß er die Tablette selbst - das sah dann einem Kind ähnlich, das auf einem Bonbon lutscht. Andernfalls zermahlte er sie im Maul und spuckte eine Staubwolke mitten in den Jungfischschwarm. Im Alter von ca. 2½ Jahren ging das Weibchen ein - Grund war nicht festzustellen. Bei einer Nachwuchs-Fangaktion hatte ich jedoch eine seiner Töchter übersehen, die dann auch bei ihm blieb und die er annahm. Imzwischen vermutete ich, stark inzuchtgeschwächte Fische erworben zu haben. So zog ich beider Nachwuchs nicht mehr auf. Melisande blieb winzig (5 cm), weil sie als ganz junges Tier einen Camallanus-Befall überstehen mußte. Diese Paarbindung war nicht so eng wie die Bindung zuvor, denn Harvey verjagte das Weibchen oft nach dem Schlupf eines Geleges und zug die Kleinen alleine auf. Unmittelbar bevor Harvey und Melisande von einem 200 l in ein 450 l - Aquarium umziehen sollten ging Harvey ein, er war knapp 3 ½ Jahre alt - Grund unbekannt. Melisande überlebte ihn nur um wenige Wochen. Sie wurde von einer Netzschmerle verletzt (damals wußte ich noch nicht, daß Schmerlen sich ausschließlich als Trupp wohlfühlen und dann auch friedlich sind). Ihr fehlte ein ganzes Stück in der Mitte der Rückenflosse, direkt am Ansatz der Flossenstrahlen. Es verpilzte und verheilte nicht mehr, obwohl ich sie nach Anweisung meines Tierarztes behandelte (Pilze entfernen, Wunde einpinseln). Damit waren die Buckelkopfbuntbarsche in meinen Aquarien ausgestorben. Bislang habe ich keine neuen angeschafft, denn sie vertragen sich nicht mit den Regenbogenfischen in meinem größten Becken (die werden als Bedrohung angesehen) und die Tanganjika-Cichliden bleiben auch besser unter sich. Alle anderen Becken sind zu klein für die Haltung. Benamste Fische habe ich auch nicht mehr - den Charaktervergleich mit Harvey verliert jedes andere Tier. Ich spinne denkst Du/denken Sie? Der Vorwurf tangiert mich nicht, ich hab' ein Spinnrad <g>.
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(04/2000)· |