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Entkapseln von Artemia salina

( Pro und Kontra | Rezept 1 | Rezept 2 | Erfahrungswerte | Zutaten | Quellen )

hinweis Artemia - Informationen und Aufzucht
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Artemia pellen - so geht's nicht ...
Frühstücksei

Die von den Artemia-Nauplien beim Schlüpfen abgeworfenen Schalen (Chorion) sind unverdaulich für Fische, verschmutzen das Aquarium und müssen daher vor dem Verfüttern entfernt werden. Durch das Entkapseln mit einer chemischen Lösung kann dieser Vorgang entfallen, die Nauplien werden dann nur noch von der Eihülle geschützt, die ein Fisch problemlos verdauen kann.

Seit etwa 1995 sind Dauereiner von Salinenkrebschen auch ohne Schale im Handel. In der Fischwirtschaft setzte sich die Verfütterung dekapsulierter Cysten langsam gegen die klassische Methode durch. Fertig entkapselte Artemia gab es 1998 im Aquaristik-Handel zu kaufen, das Thema war kurzfristig "in aller Munde". 3 Jahre später werden sie kaum noch angeboten ­ bleibt nur, selbst zu entkapseln oder klassisch aufzuziehen und Schalen und Nauplien zu trennen.

Im Moment (Sommer 2001) ist Artemia sehr teuer, und es gelangen wegen des knappen Angebotes minderwertige Sortierungen in den Handel. Unter diesen Umständen loht sich die Schälung unbedingt.

 

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Pro und Kontra bunt gemischt

  • Die starke Lösung, die die Schalen entfernt desinfiziert die Cysten vollständig, das reduziert den Bakterieneintrag und das Risiko von Krankheiten (interessant vor allem für Meerwasseraquarianer, da sich leicht Bakterien und Pilze an die Außenhülle der Cysten-Kapseln heften können).
  • Es ist keinerlei Trennung von Schalen und Cysten vor dem Füttern notwendig - bei konventioneller Aufzucht muß getrennt werden, da die Schalen für Fische unverdaulich sind und sehr junge Fische daran sterben können (kann Darmverschluß verursachen); außerdem verunreinigen sie das Wasser. Die Handhabung wird deutlich vereinfacht.
  • Auch die noch nicht ausgeschlüpften Cysten können verfüttert werden. Die innere Membrane bleibt beim Dekapsulieren erhalten und kann problemlos verdaut werden.
  • Der Energiegehalt von Nauplien aus Cysten ohne die harte Schale ist höher als die mit Schale, da die Nauplien wenig Energie beim Schlüpfen verbrauchen, bzw. nicht schlüpfen müssen.
  • Die Schlupfrate dekapsulierter Cysten ist um etwa 10% höher als die der Cysten mit Schale, da der Schlupf weniger Anstrengung erfordert. Bei den zur Zeit (Sommer 2001) hohen Preisen für Artemia ist das ein wichtiges Argument.
  • Minderwertige Qualitäten mit niedriger Schlupfrate können durch das Entkapseln nutzbar gemacht werden.. In den USA werden Cysten entkapselt, die den Schluf-Qualitätstest nicht bestanden haben, sie sind besonders preiswert und genau so nahrhaft wie hochwertigere Sorten.
  • Aquarianer berichten von schöneren Farben und einem schnelleren Wachstum so gefütterter Aufzuchten (ich auch), gegenteiliges war nirgendwo zu lesen.
  • Wenn gut getrocknet, kühl und unter UV-Licht- und Luftabschluß gelagert sind dekapsulierte Cysten fast genau so haltbar wie die unbehandelten Dauereier.
  • Artemia enthalten sehr viel für den Knochenaufbau der Jungfische notwendiges Vitamin C. Es liegt in ungeschlüpften Nauplien in einer weniger gut nutzbaren Form vor.
  • Geschlüpfte Artemia enthalten eine dauerhaftere Form des Farbstoffs Karotin (nämlich Trans-Canthaxanthin).
  • Strömung und sparsame Fütterung entkapselter, trockener Cysten ist wichtig, weil nur ein geringer Teil von selbst versinkt, dann evtl. nicht aufgenommen wird und die Wasserqualität verschlechtert. Abhilfe schafft u.a. das "Vorquellen" in einer Salzlösung.
  • Der Jagdtrieb mit den trockenen Cysten gefütterter Jungfische wird nicht gefördert, sie lernen nicht, daß "sich das Essen bewegt".
  • Die Entkapselung ist ein nicht ganz ungefährliches Verfahren, weil starke Chemikalien benutzt werden.

 

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Rezept 1

Zutaten:
  • 10 g Artemia-Cysten (15 ml, bzw. 3 gestrichene Teelöffel)
  • 800 ml Salzwasser 3 %ig (Kochsalz- oder Meersalzlösung)
  • 55 ml Chlorbleichlauge (Natriumhypochlorid-Lösung 12,5%)
  • sehr feines Sieb zum Spülen (ca. 100 µm bis 170 µm Maschenweite)
  • 1 Teelöffel Weinessig 5% oder 0,5 ml Natrium-Thiosulfat 0,1%ig

Zuerst müssen die Cysten hydriert werden, d.h. "aufgeweicht". Die anschließend zugegebenen Chlorbleichlauge löst die Schale auf. Dieser Prozeß muß wieder gestoppt werden, die nun geschälten Nauplien gespült oder verbliebene aktive Reste der Chemikalie wieder neutralisiert (gerade Laugen haften gerne an Oberflächen). Dann können die Nauplien gleich verfüttert, getrocknet oder aufgezogen werden. Im Kühlschrank halten sie sich ca. eine Woche. Dehydrieren verlängert die Haltbarkeit.

  1. Schritt: Hydrieren
    Die Cysten werden mit 800 ml Wasser aufgegossen und für 1-2 Stunden mäßig belüftet, oder in sehr kaltes Wasser gegeben und für eine Stunde in den Kühlschrank ohne Belüftung gestellt. Wenn sie rund sind und nicht mehr verschrumpelt aussehen (nur mit Mikroskop eindeutig feststellbar), sind sie bereit für den nächsten Schritt.
     
  2. Schritt: Chorion auflösen
    55 ml Chlorbleichlauge hinzufügen und weiter belüften oder mit Glas- oder Edelstahl rühren. Die Farbe der Cysten ändert sich jetzt: Zunächst sind sie braun, dann weiß und schließlich orange. Der Vorgang dauert einige Minuten, abhängig von der Wassertemperatur.
     
  3. Schritt: Spülen und neutralisieren
    Damit nicht auch noch die Embryohülle aufgelöst wird, muß jetzt sehr schnell gearbeitet werden: Die Flüssigkeit mit den Cysten durch ein Sieb geben und 5-10 Minuten unter fließendem Wasser spülen, bis der Chlorgeruch verschwunden ist. Das Spülen kann mit Hilfe von Weinessig oder Natrium-Thiosulfat abgekürzt werden, dann nur kurz abspülen, Weinessig oder Natrium-Thiosulfat zugeben, eine Minute lang gut durchrühren und wiederum spülen. Die Nauplien sind jetzt bereit zur sofortigen Verwendung. Die sorgfältige Entfernung des aktiven Chlor ist für eine evtl. Einlagerung unbedingt zu empfehlen.
     
  4. Schritt: Konservieren
    Kleinere Mengen zum schnellen Verbrauch lassen sich lufttrocknen. Besser ist es, sie mit Salzlösung zu dehydrieren. Das geschieht mit einer Lösung aus 170 g Kochsalz und 1/2 Liter Wasser, in der sie verbleiben, bis sie zu Boden sinken (dauert etwa einige Stunden, in diesem Zustand in frischer Salzlake unter Luftabschluß im Kühlschrank gelagert beträgt die Haltbarkeit 3 Monate). Vor der Verwendung gut spülen!

 

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Rezept 2 ­ "Trockenmethode" (Kurzform)

Zutaten:
  • 10 g Artemia-Cysten (15 ml, bzw. 3 gestrichene Teelöffel)
  • 5,0 g Natriumhypochlorid NaOCl
  • 3,3 g Natriumhydroxid (Natronlauge) NaOH, 40 %ig
  • 800 ml Salzwasser 3 %ig (Kochsalz- oder Meersalzlösung)
  • 1 Teelöffel Weinessig 5% oder 0,5 ml Natrium-Thiosulfat 0,1%ig

Wässern in 500 ml wie beschrieben, Natriumhypochlorid in 300 ml Salzwasser einrühren, bis es sich aufgelöst hat, Cysten und Natriumhydroxid dazugeben und rühren, bis sich die Cysten orangefarbig sind, dann spülen oder neutralisieren. Verfüttern oder haltbar machen wie beschrieben.

Die Zutaten für diese Methode sind überwiegend als Pulver oder in kristalliner Form erhältlich. Der Vorteil ist die bessere Haltbarkeit des NaOCl und die deshalb kontrollierbarere Dosis.

 

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Erfahrungswerte

Meistens setze ich etwa 5 g Cysten an und hydriere mit 1,5 ­ 2%igem Meersalzwasser im Kühlschrank, denn dabei kommt es nicht so sehr auf den richtigen Zeitpunkt für die Weiterverarbeitung an. Dabei benutze ich ein großes Schraubglas, in das ich Chlorbleichlauge lt. Rezept 1, umgerechnet auf die Cystenmenge gebe und öfters schüttele. Schwierig finde ich es, den richtigen Zeitpunkt zum Abbruch der Reaktion zu bestimmen. Ohne Mikroskop geht das am besten bei sehr hellem Tageslicht. Nach einigen Vorgängen ist es Gefühlssache. Anschließend benutze ich Essigessenz zum Neutralisieren. Qualitätsüberprüfung: Aufziehen. Als Erstfutter benutze ich Hefe und die Süßwasser-Algensteine, die ich für meine Harnischwelse habe, werde zukünftig aber auch Salzwasser-Algensteine ansetzen.

Gelegentlich wird über Qualitätsmängel kommerzieller Produkte und dadurch gestorbene Fische berichtet. Sind nicht alle Cysten leuchtend orange, sondern graue darunter, wurde der Prozeß zu früh abgebrochen. Bei Zweifeln an der Qualität kann eine Schlupfprobe Klarheit schaffen.

 

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Die Zutaten

Die verwendeten Zutaten und die Sorgfalt bei der Anwendung werden vom Verwendungszweck bestimmt. Für eine Sofortfütterung ist Vorquellen in Leitungswasser und anschließende Neutralitsation der Lauge mit Essig vollkommen ausreichend, für Lagerung oder Aufzucht ist entsprechend mehr Aufwand zu empfehlen. Besonders zur Lagerung sollte das aktive Chlor unbedingt vollständig reduziert werden.

Natriumhypochlorit-Lösung 12,5% (etwa 125 g Chlor je Liter Wasser) wird auch als Chlorbleichlauge bezeichnet. Aufbewahrung dunkel, trocken und kühl. Die chemisch aktive Substanz verringert sich monatlich um etwa 1%, deshalb ist der Kauf von kleinen Mengen anzuraten. Da zudem der Ausgangszustand nie so genau definiert ist, steht auf vielen Gebinden ca. 12,5%. Zur Sicherheit sollte der Gehalt mittels Tropftest (tritimetrisch) bestimmt werden. Sie ist in Apotheken und Drogerien erhältlich und wird meist zum Reinigen von Schwimmbecken benutzt, sowie zur Desinfektion und Spülung medizinisch und in der Zahnheilkunde. "Liquid bleach" aus englischsprachigen Rezepten meint 4%ige Lösung, die in amerikanischen Haushalten als Waschzusatz nicht unüblich zu sein scheint (Bleichmittel). Schäumt bei der Anwendung etwas, Menge gegenüber 12,5%iger Lösung anpassen.

Natriumhydroxid (Natronlauge) NaOH 40% wird vielseitig eingesetzt ­ vom Backen von Laugenbrezeln (dann 4%ig) über Seifen- und Papierherstellung bis zum Abbeizen von Möbeln sowie in Laboren.

Natriumhydroxid (Ätznatron), NaOH ist ein kristallines Pulver, das u.a. zur Herstellung von Natronlauge, in Reinigungsmitteln und zur Synthese diverser Natriumverbindungen Verwendung findet.

Natriumhypochlorid NaOCl ist ein kristallines Pulver zur Herstellung von Natriumhypochlorit-Lösung. Das "dry pool chlorine powder" englischsprachiger Rezepte dagegen ist eine 1:1-Mischung aus Calciumchlorid und Calciumhypochlorit, wie es zur Desinfektion von Schwimmbecken-Wasser eingesetzt wird. Gibt bei Kontakt mit organischen Säuren Chlor ab, das dann oxydierend wirkt und für den typischen "Schwimmbadgeruch" sorgt.

Thiosulfat, Natrium-Thiosulfat (Na2 S2 O3) wirkt reduzierend auf Chlor und Hypochlorit (Antichlor) und ist deswegen in Wasseraufbereitern enthalten. Zum Neutralisieren nach erfolgreicher Dekapsulation wird eine 0,1%ige Lösung benutzt (100 mg Natrium-Thiosulfat in 100 ml Wasser, Dinatriumsulfit Na2SO3 1 %ig ggf. in größerer Menge geht auch).
Für den Hausgebrauch ist handelsüblicher Essig (5% Säure) zu empfehlen. Wirkt zwar nicht so gut weil er nur die Lauge neutralisiert, ist aber ständig zur Hand. Chlor läßt sich auch durch Belüftung "ausblasen" ­ wie beim Wasserwechsel im Aquarium mit Leitungswasser. Auf chemischem Wege geht es jedoch schneller und vollständiger.
Ganz gründlich ist es, zuerst Thiosulfat und dann Essigsäure zu verwenden. Auch Ascorbinsäure eignet sich (reduziert Chlor und Hypochlorit und neutralisiert gleichzeitig die Lauge).

Salzwasser 3 %ig (Kochsalzlösung) zum Quellen der Nauplien ist schonender als Leitungswasser ohne Salz, sie bringt die osmotischen Verhältnisse nicht durcheinander. Es ist immer dann sinnvoll, wenn die Nauplien noch zum Schlupf gebracht werden sollen; werden sie gleich verfüttert, genügt Leitungswasser. Noch schonender ist Salz für Meerwasseraquarien.

 

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Quellen

[1] Artemia-Dauereier chemisch schälen (Dr. Andreas Kremser oder Dipl.-Ing Olaf Deters)
[2] Vorsichtsmaßnahmen beim Umgang mit Chlorbleichlauge
[3]englischsprachiger Text Artemia: Decapsulation, Hatching, Feeding, On-Growing and Enrichment by David and Tracy Warland http://www.adelaide.net.au/~travid/ South Australian Seahorse Marine Services (leider nicht mehr online)
[4]englischsprachiger Text http://members.iinet.net.au/~aquatech/reeftank/decapsulation_of_artemia.htm by David Bloch (leider nicht mehr online)
[5]englischsprachiger Text Artemia FAQ 2.0 by Kai Schumann
[6]englischsprachiger Text http://www.aka.org/AKA/Foods/artemia.html - offline (from FAO-Manual on the Production and Use of Live Food for Aquaculture by Gilbert Van Stappen), Teile davon im Artikel Entkapselte Artemia-Zysten als Aufzuchtfutter, Reik Pawlizki ; DATZ Ausgabe 1998/12
[7]englischsprachiger Text Artemia International ist ein weltweiter Großhändler von Artemiacysten und anderem Aufzuchtfutter für kommerzielle Züchter.

 

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(07/2001)·Logo, klein  Renate Husmann 1997-2007
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