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Artemia salina als Aufzuchtfutter für Süßwasserfische

( Hintergrund | Entwicklung | Warum Artemia? | Salz, Futter und Hygiene | Kleinstmengen | größere Mengen | Daueransatz | Quellen)

hinweis Entkapseln von Artemia salina
 
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Salinienkrebschen (Artemia salina) haben sich als jederzeit verfügbares Lebendfutter für Fische, besonders als Aufzuchtfutter für Jungfische bewährt. Sie sind einfach aufzuziehen und nicht mit schädlichen Erregern belastet, wie das bei Futter aus Teichen gelegentlich passieren kann. Außerdem ist für das Teichfischen meistens eine Genehmigung erforderlich.

Wegen übermäßiger, industrieller Nutzung (offiziell: Ungünstige Wetterverhältnisse, tatsächlich wohl beides) nimmt die Anzahl der jährlich geernteten Cysten kontinuierlich ab, die Preise steigen ständig. Um so wichtiger ist es genau zu wissen, was da verfüttert wird und wie der größtmögliche Nutzen daraus gezogen werden kann. Erwachsene Salinenkrebschen sind zudem ein interessantes Beobachtungsobjekt.

Ich will gleich wissen, wie das geht (zu den Anleitungen).

 

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Hintergrund

Die etwa 1-1,5 cm großen Artemia salina (Salinenkrebschen) gehören zu einer Klasse sehr ursprünglicher Kleinkrebse, der sog. Anostraca (Kiemenfußkrebse, Feenkrebse). Krebschen dieser Klasse haben nur ein stark gegliedertes Exoskelett aus mit Chitin verstärktem Eiweiß, keinen festen Körperschild aus diesem Material, wie z.B. Krebse ihn besitzen. Sie können sich wegen der fehlenden Panzerung nicht gegen Jäger wehren. Das zwang die im Süßwasser lebenden Vorfahren unserer Artemien zum Rückzug in Salzwassergebiete, wohin ihnen die Jäger nicht folgen konnten. Heute finden sich verschiedenen Arten in salzhaltigen Binnengewässern, u.a. auch in Europa (Camargue), in China, Rußland und den nordamerikanischen Salzseen mit meist deutlich höherem Salzgehalt als das Meer. Die "Eier" der Krebschen aus dem Zoogeschäft stammen meist aus den USA und heißen Artemia salina, es gibt aber noch mehrere weitere Arten. Artemia salina hat sich wegen ihrer Kleinheit und einer sehr hohen Schlupfrate in der Aquaristik bewährt. Die kleinsten stammen aus der Bucht von San Francisco und aus Utah, die am häufigsten gehandelte Sorten aus dem Großen Salzsee in Utah (1991 80% des Gesamtvolumens).

Die in Handel befindlichen "Artemia-Eier" sind tatsächlich Cysten (oder Zysten; Eier bestehen nur aus einer Zelle, Cysten sind mehrzellig). Diese Cysten werden immer dann gebildet wenn die Lebensbedingungen es erfordern, z.B. wenn das Heimatgewässer austrocknet oder im Herbst. Sie enthalten einen Embryo in einem "Trockenschlafstadium", durch eine besonders harte Schale geschützt. Cysten haben nach der Trocknung einen Feuchtigkeitsgehalt von 6 % bis maximal 10%. Bei diesen Werten ist keinerlei Stoffwechsel-Aktivität mehr meßbar .Das macht sie bei kühler und trockener Lagerung sehr haltbar. Die Fähigkeit eines kompletten, primitiven Organismus in einem voll entwickelten Stadium zu überleben heißt Anabiose.

In den USA wird zunehmend nach Alternativen vor allem für die Nutzfisch-Industrie gesucht. Ein gleichwertiger, lebend verfütterbarer Ersatz wurde bisher nicht gefunden, den die Schlupfraten bei Cysten aus anderen Teilen der Erde sind um 30% - 50% niedriger. Die amerikanische Futterindustrie bietet Aufzuchtfutter-Produkte auf Artemia-Basis an ("Baby Star") und propagiert gefriergetrocknete Kleinkrebse aus Salzseen der arktischen Regionen Kanadas. Sie heißen Cyclop-eeze, Hersteller ist Argent Chemical Laboratories in Redmond, WA. Cyclop-eeze enthält fast doppelt so viel Fett wie gerade geschlüpfte Artemia, weniger Eiweiß und wesentlich mehr Carotinoide. Sie sind mit 0,8 mm doppelt so groß wie Artemia.

 

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Entwicklung

Frisch geschlüpfte Salinenkrebschen heißen "Nauplien" und sind nicht einmal 0,5 mm klein. Sie häuten sich wie andere Krebse oder Garnelen auch, wenn sie wachsen. Bis zur Geschlechtsreife sind meist 17 Häutungen notwendig.

Das Wecksingnal für einen Nauplius, dessen vorher schrumpelige Cyste sich nach einem starken Regen mit Wasser vollgesogen hat, ist Sonnenschein. Durch den Sonnenschein entstehen Algen und anderes Plankton, die die Nahrung der Kleinkrebse darstellen.

Der frisch geschlüpfte Nauplius hat ein Beinpaar, zwei Mandibeln ("Antennen") und einen Augenfleck auf dem Kopf. Im Laufe der nächsten Häutungen über das Stadium als Metanauplius zum erwachsenen Tier entwickelt er zwei Komplexaugen, 15 Körpersegmente, 11 Beinpaare und wird 1 – 1,5 cm groß.

Feenkrebse sind Rückenschwimmer, sie wenden die Körperunterseite zum Licht, filtern mit den behaarten Beinen die Nahrung aus dem Wasser und transportieren sie zur Mundöffnung. Das zweite Mandibelpaar bleibt beim Weibchen klein, beim Männchen wird es riesig und dient bei der Paarung zum Festhalten des Weibchens.

Das Erscheinungsbild kann sich mit den Umweltbedingungen verändern, manche Artemia-Arten haben z.B. bei hoher Salzkonzentration weniger Segmente und sind schneller geschlechtsreif. Auch die Farbe variiert, denn bei niedriger Sauerstoffkonzentration wird mehr Hämoglobin gebildet, die Tiere haben einen intensiveren Rotton.

Zur Fortpflanzung haben Salinenkrebschen verschiedenen Möglichkeiten, u.a. über Parthenogenese (Jungfernzeugung) und über Eier, die sich noch im Brutsack entwickeln (Viviparien, Entwicklungszeit 4 Tage, sehr dotterarm). Bei veränderten Lebensbedingungen können die Weibchen jederzeit Cysten bilden. Ein Weibchen kann alle 4 Tage 300 Nachkommen haben.

Bei einer Bruttemperatur von ca. 25°-26°C schlüpft ein Nauplius innerhalb von 24 Stunden (29°: 18 h) und ist nach 8-14 Tagen geschlechtsreif, je nach Herkunft und Lebensraum variierend. Je nach Salzgehalt beträgt die Lebensdauer etwa 4 Wochen und verkürzt sich bei erhöhten Salzgehalten. Die Überlebensdauer in Süßwasser beträgt, abhängig von der Wasserhärte etwa 4 - 8 Stunden. Da tote Artemia das Wasser schnell verschmutzen, sollten sie nur in der benötigten Menge gefüttert werden. Und die ist ein Erfahrungswert, Empfehlungen nicht möglich.

 

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Warum gerade Artemia?

Die problemlose Verfügbarkeit alleine und die geringe Größe macht sie schon zu einen idealen Erstfutter für Jungfische. Außerdem sind sie leicht verdaulich und enthalten viele für Jungfische wichtige Nährstoffe. Aber nicht alle Jungfische können sie als Erstfutter bewältigen. Besonders kleine Jungfische, z.B. von den meisten Regenbogenfisch-Arten können sie erst nach Tagen oder Wochen aufnehmen. Das Maul von Honigfadenfisch-Nachwuchs ist zwar groß genug, aber die Krebschen bleiben auf dem Weg in den Magen stecken. Keine Probleme haben die meisten Buntbarsch-Nachzuchten, Lebendgebärende und Kilifische.

Die verschiedenen Nährstofftabellen unterscheiden sich in ihren Angaben. Teilweise sind die Gehalte wetter- und fundortbedingt anders (Artemia aus der Bucht von San Francisco sind proteinhaltiger als die aus Utah z.B.), z.T. liegt es auch an den Schlupfbedingungen und am Testzeitpunkt. Angaben über das untersuchte Entwicklungsstadium fehlen oft. Manche Angaben beziehen sich auf die Trockenmasse ohne jeden Feuchtigkeitsgehalt wie in Deutschland bei Lebensmitteln üblich, manche auf das unveränderte Untersuchungsobjekt. Details sind ohnehin nur für kommerzielle Fischzucht interessant.

Zwei Beispiele:

Nährstoff-Analyse für Cysten aus dem Großen Salzsee/Utah [10]
NährstoffeDurchschnittlicher Gehalt

Eiweiß

62,8 %

Kohlehydrate

25,0 %

Fett

6,2 %

Asche

4,9 %

Feuchtigkeit

6,0 %

Rohnährstoffdaten für Artemia [11], bezogen auf die Trockenmasse
NährstoffeDurchschnittlicher Gehalt
Rohprotein (Eiweiß)

53,4 %

Rohfaser (Kohlehydrate) 2,0 %
Rohfett 9,3 %
Rohasche 5,7 %

Rohprotein (Eiweiß) meint etwa 20 verschiedene Aminosäuren, von denen etwa die Hälfte für Fische essentiell sind, d.h. nicht selbst hergestellt werden können. Die Aminosäuren in Artemia sind für Fische leicht verdaulich, weil gut in körpereigenes Eiweiß umzuwandeln. Wird neben Fett als Energiequelle benutzt.

Rohfaser (Kohlehydrate) sind im wesentlichen Zucker, Stärke und Zellulose. Solche komplexen Moleküle können vom Verdauungssystem von Fischen meist nicht aufgespalten und so für den Energiehaushalt nutzbar gemacht werden. Deshalb sind gefütterte Futtertiere so wertvoll – ihre Verdauungsenzyme wandeln komplexe Kohlehydrate in einfachere um, die vom Fisch verwertet werden. Nicht verwertete Kohlehydrate aus Pflanzen und Exoskeletten von Lebendfutter sind ein wichtiger Ballaststoff, der die Verdauung fördert und den Darm "putzt".

Rohfett ist ein Sammelbegriff für verschiedene Fette, die vorwiegend als leicht zu speichernder Energievorrat und für die Verwertung fettlöslicher Vitamine (z.B. Vitamin A) genutzt werden. Nutzbar für Fische sind nur Fette, die bei Umgebungstemperatur flüssig sind. Das ist in Mückenlarven und Kleinkrebsen in hohem Maße der Fall, in Rinderprodukten zum Beispiel nicht. Besonders wertvoll sind die reaktionsfreudigen ungesättigten Fettsäuren, von denen Artemia nicht sehr viele enthält. Die Industrie kompensiert das bei einigen Produkten mit patentierten verfahren.

Rohasche sind nicht brennbare Bestandteile, wie Mineralstoffe und Spurenelemente.

Vitamin C (Ascorbinsäure) ist ein wichtiger Nährstoff für viele Fische, der u.a. zum Knochenaufbau und zusammen mit Eisen zur Blutbildung benötigt wird. Fehlt es, kommt es leicht zu Mißbildungen der Wirbelsäule. Artemia enthält sehr viel davon – vor dem Schlupf in einer stabilen Form, danach in einer weniger stabilen, aber für Fische besser verwertbaren. Manche Fische können es selbst bilden, wenn genug Vitamin A vorhanden ist. Welche Fische das sind, und ob und wie das funktioniert ist nicht geklärt. Vitamin C ist wasserlöslich und hitzeempfindlich.

Karotinoide (Vitamin A und Vorstufen) sind für die meisten Rot- und Gelbtöne der Fische verantwortlich und an Wachstumsverlauf, Knochenbildung und dem Sehen beteiligt. Das Karotinoid, das in Artemia mit ca. 100 ppm vorwiegend enthalten ist, heißt Canthaxanthin und liegt in Nauplien und älteren Krebschen in einer stabileren Form vor (Trans-Canthaxanthin) als in den Cysten. Karotinoide sind fettlöslich und relativ wärmebeständig.

Besser ist es, am Anfang eine zu geringe Menge anzusetzen als zuviel, nicht nur aus Kostengründen. An Artemia gewöhnte Jungfische sind anspruchsvoll und lassen sich manchmal schwer an anderes Futter gewöhnen. Ich gebe deshalb bei der ersten Fütterung am Morgen immer konventionelles Aufzuchtfutter aus der Dose.

 

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Salz, Futter und Hygiene

Das Wasser für Schlupf- und Zuchtansätze muß aufgesalzen werden. Neben Spezialsalzen und Salz für Meerwasseraquarien ist dafür gewöhnliches Speisesalz geeignet. Es sollte kein Jod (das verzögert den Schlupf) und keine Trennmittel wie E 535 [Natriumhexacyanoferrat (II), löst sich mit starker Trübung und verstopft die Poren der Cysten] enthalten. Die Schlupfrate ist deshalb geringer als bei Verwendung von Salz ohne diese Zusätze. Notfalls sehr grobes Salz verwenden (für Mühlen), darin ist weniger Trennmittel. Mineralische Trennmittel wie kolloidale Kieselsäure sind für die Nauplien harmlos, werden aber kaum verwendet. In Österreich darf nur jodiertes Speisesalz in den Verkaufsregalen stehen. Nicht jodiertes ist in vielen Supermärkten auf Anfrage und in Apotheken erhältlich. Eine Abmeßhilfe für Salz gibt's auf meiner Ichtyo-Seite.

Sollen die Nauplien nur zum Schlupf gebracht werden, genügt 1 El Salz je Liter Wasser, zur längeren Hälterung ist etwa die doppelte Menge erforderlich. Dabei darf der Salzgehalt für durchaus schwanken, aber ein hoher Salzgehalt am Anfang reduziert die Schlupfrate. Die Krebschen sind sehr anpassungsfähig! Füllt man verdunstetes Wasser in einem Daueransatz immer wieder mit neuen Salzwasser nach und erhöht so die Salzkonzentration, bilden sich irgendwann wieder Dauereier. Der Schlupf erfolgt bei einer Temperatur von ca. 25° innerhalb von 24-48 h, beheizen ist nicht nötig. Auch eine regelmäßige Beleuchtung muß nicht sein, eine kurze Lichtphase wird aber möglicherweise zum Schlupf benötigt (einfach ins Sonnenlicht stellen).

Werden Nauplien nicht unmittelbar nach dem Schlupf verfüttert, sind sie wertlos, weil sie die im Dottersack mitgelieferten Nährstoffe aufgebraucht haben. Sie sollten gefüttert werden, das Futter sollte gleich nach dem Schlupf aufgenommen werden können. Spezielles Futter ist in Handel erhältlich, fein zerriebenes Flocken- und Staubfutter für Fische sind ebenfalls geeignet. Einfach zu handhaben ist Frischhefe (notfalls Trockenhefe), die mit etwas Wasser angerührt einige Tage im Kühlschrank haltbar ist. Noch besser sind Algen. Sie stellen sich von selbst ein, wenn eine Flasche mit vorbereitetem Salzwasser in die Sonne gestellt wird. Idealerweise ist in diesem Salzwasser eine Prise Artemia-Spezialsalz enthalten, das Dauerstadien diverser Mikroorganismen enthält (gilt genau so für Meerwassersalz). Bei der Zufütterung mit Hefe und Spezialprodukten trübt sich das Wasser etwas. Die nächste Fütterung darf erst erfolgen, wenn es wieder ganz klar ist.

Ein selten gefütterter Daueransatz in der prallen Sonne benötigt kaum Pflege. Es wachsen genügend Algen, die die Ausscheidungsprodukte der Krebschen umsetzen und diesen als Futter dienen. Je intensiver jedoch gefüttert wird, desto sorgfältiger sind die Behältnisse zu reinigen. Aufzuchtflaschen müssen nach jedem Ansatz sorgfältig mit einer Bürste und heißem Wasser geschrubbt werden, denn sonst bilden sich Beläge. Diese verschlechtern Schlupf- und Überlebensrate. Ansätze nur mit einem Luftschlauch belüften, nicht über fein perlende Ausströmer, denn die Bläschen könnten sich unter die Panzer setzen.

Beim Verfüttern von frisch geschlüpften Nauplien sollten die Schalenreste entfernt werden, da sie im Verdauungstrakt von Jungfischen, abhängig von deren Größe, steckenbleiben können und das Aquarium verschmutzen. Die Nauplien sammeln sich an der tiefsten Stelle der Aufzuchtflasche, oder an der hellsten und können dann mit einem Luftschlauch abgesaugt werden. Schalenreste schwimmen an der Oberfläche. Tips und Ideen zum Trennen gibt es auf vielen Homepages im WWW. Spülen, am besten mittels Sieb, bitte nicht vergessen, damit sich die Salzkonzentration im Aquarium nicht unnötig erhöht.

Cysten, die älter sind als ein Jahr haben eine spürbar schlechtere Schlupfrate. Deshalb sollten sie nur in Bedarfsmengen gekauft werden, auch wenn es gerade wieder günstige Angebote gibt. Die Schlupfrate von Cysten schlechter Qualität oder überalterten Cysten läßt sich steigern, wenn sie dekapsuliert werden. Das habe ich an anderer Stelle beschrieben.

 

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Nauplien in Kleinstmengen

Für sehr kleine Mengen genügt es, ein Marmeladenglas mit Salzwasser (1/2 Tl Salz / 0,25 l Wasser / 0,5 ml Cysten) anzusetzen. Eine Trennung von Schalen und Krebschen ist hier schwierig. Ankippen des Glases ist eine Möglichkeit, dann sammeln sich die Nauplien an die tiefsten Stelle und können mit einem Luftschlauch abgesaugt werden. Eina anderer Weg ist eine schwache Lichtquelle (Glühlampe), vor der sich sich sammeln. Viele Aquarianer sieben nur das Salzwasser ab und geben Nauplien mit Schalenresten ins Aquarium. Vorsicht ist unbedingt bei sehr kleinen Fischen geboten.

Eleganter geht das mit einer Aufzuchtschale, wie sie von der Firma Dohse [12] angeboten wird. Das Gerät besteht aus einer flachen Schale mit einem flachen Deckel, der in der Mitte ein kleines Loch hat. Nur hier fällt Licht hinein, und deshalb sammeln sich die Nauplien an dieser Stelle und können ohne Schalenreste entnommen werden. Diese Methode ist für Einsteiger ideal.

Empfohlen wird, 5 der beigefügten Löffelchen der Cysten anzusetzen. Das ergibt zwar eine große Menge Krebschen am Anfang, die aber auch sofort verfüttert werden müssen, sonst sterben sie. Ein Ansatz mit etwa der Hälfte der Menge hält bis zu einer Woche.

 

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Aufzucht für ältere Jungfische oder größere Mengen

Die üblichen Zuchtanleitungen gehen meist von einer sehr großen Menge Bedarfsmenge aus. Ich ziehe höchstens einmal 20 Jungfische (meist Regenbogenfische, Tanganjika-Barsche und Kilifische) gleichzeitig auf. Eine Kultur in einer 1-l-Flasche reicht meistens drei Tage. Dann sind ungefütterte Artemia wertlos, denn die in den frisch geschlüpften Nauplien enthaltenen "Bordnährstoffe" sind längst verdaut.

Ich habe das so gelöst:

Meine Artemien schlüpfen in einem von innen beleuchteten Unterschrank. Dort herrschen immer etwa 25°C durch die Außenfilter zweier Aquarien und ein kleines Aufzuchtbecken (für einen ganz schnellen Schlupf sind 28°-29°C erforderlich, aber dann müßte ich extra heizen). Ich betreibe 3 Flaschen gleichzeitig. Zwei davon bestehen aus Glas und werden von oben durch einen Schlauch belüftet (gibt es als "Artemia-Kulturgerät" fertig zu kaufen, ein einfacher Luftschlauch tut's auch). Die dritte ist eine Kunststofflasche (gibt es als "Incubator" fertig zu kaufen, ist genau so gut selbst herzustellen). Sie steht auf dem Kopf und hat eine kleine Öffnung direkt über dem Boden.

Flasche 1 wird mit einem Liter Wasser und ein bis zwei gestrichenen Eßlöffeln Salz (10 - 20g/etwa 15 - 30 ml) gefüllt und an die Luftpumpe angeschlossen. Das Salz ist entweder jodfreies Speisesalz mit einer kleinen Beimengung von speziellem Artemiasalz oder Meersalz für den Aquaristikbedarf. Dadurch bilden sich winzigste Mikroorganismen als Futter für die frisch geschlüpften Nauplien, deren Cysten ich zwei bis drei Tage später zufüge.

Flasche 2 enthält das vorbereitete Salzwasser, dem ich ein bis zwei gestrichene Teelöffel Dauereier zugegeben habe.

Flasche 3 fülle ich mit den in Flasche 2 geschlüpften Nauplien. Einen Teil der Schalen kann ich schon beim Umfüllen entfernen. Zum Verfüttern stecke ich eine Inkektionsspritze (20 ml) mit einem Luftschlauch daran statt der Nadel auf die Öffnung in der Nähe des Flaschenbodens und drehe die Flasche um. Nach etwa 10 Minuten haben sich genug Tiere am Bodengrund gesammelt und können mit der Spritze gut dosiert abgezogen werden.

Durch die Anzahl und Größe der Flaschen läßt sich die Menge der frisch geschlüpften Nauplien beliebig vergrößern [3].

Eine andere, seltener praktizierte Variante ist ein Umlauf-Ansatz in einem kleinen Aquarium: Es wird mit Salzwasser gefüllt und leicht belüftet, anschließend Cysten zugegeben. Sind dieses geschlüpft und verfüttert, einfach wieder neue Cysten zugeben. Gelegentliches Abfischen von Schalenresten und Reinigen des Bodengrundes erhöht die Schlupf- und Überlebensrate bei späteren Ansätzen, vor allem, wenn gefüttert wird [7]. Solch ein Ansatz läßt sich schön auf der Fensterbank ziehen, dann entstehen durch Lichteinfall Algen als Nahrung.

 

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Daueransatz für Beikost

Die Literatur schlägt dazu sogar ein Badewanne im Garten oder einen Gartenteich vor [4] [5] – dann entstehen wirklich genug Krebschen, um Fische damit regelmäßig zu füttern. Das ist vor allem für Meerwasser-Aquarianer interessant, erwachsenen Süßwasser-Fischen würde ich "versalzenes Essen" doch nicht so oft geben wollen. Auf jeden Fall ist bei Daueransätzen Experimentieren angesagt, denn die genaue Pflege richtet sich nach Platzverhältnissen und Wunsch-Erntemenge.

Aber es ist auch in kleinerem Rahmen möglich, zum Beispiel in einem 20 l-Maurereimer oder einer Spülschale auf dem Balkon, der Terasse oder im Garten. Nur sollte der Wasserstand dann nicht mehr als 10 – 15 cm betragen, damit auch ohne Belüftung genug Sauerstoff in den Ansatz gelangt. In einem kleinen Aquarium, in das viel Sonnenlicht fällt, darf er etwas höher sein. Die Pflege ist einfach – ein bis 2 Mal wöchentlich einige Tropfen Futter zugeben genügt. Hier darf der Mulm nicht aufgewirbelt oder entfernt werden, weil er den Krebschen als "Weide" dient. So eine Kultur kann viele Monate lang laufen, je größer der Behälter, desto länger. Bei Kulturen in Freien verdünnt sich das Salzwasser bei starken Regenfällen, ggf. schützen.

Ganzjährige Kulturen im Aquarium im Haus benötigen, wenn sie ergiebig sein sollen, etwas mehr Pflege, sie sollten mit einem Luftschlauch ohne Ausströmer daran belüftet werden. Die Literflaschen, die üblicherweise zur Kultur benutzt werden eigenen sich weniger, ein Aquarium mit 12 Liter Inhalt sollte es mindestens sein.

Ungeduldige können als Erstbesatz lebende, erwachsene Artemia aus dem Zoohandel verwenden, ansonsten eigenen sich "selbstgeschlüpfte" Nauplien genau so wie Cysten, für die der Salzgehalt am Anfang niedriger sein sollte und die dann im Kulturgefäß schlüpfen. Auf jeden Fall sollten nur ganz wenige Tiere zugegeben werden, damit das Wasser nicht unnötig belastet wird.

Seit 1960 werden Artemia in den USA unter dem Namen © Sea-Monkeys als Beobachtungsobjekt für Kinder vermarktet. In Deutschland waren sie das erfolgreichste Gimmick der Zeitschrift "Yps" [8]. Auch in diesem Zusammenhang gibt es Anleitungen zum Daueransatz.

 

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Quellen und zum Weiterlesen

[1] Futtertiere in der Aquaristik und Terraristik – beschreibt noch viele andere Futtertiere
[2] Einiges über Fischfutter Inhaltsverzeichnís zu verschiedenen Fischfutter-Themen incl. Artemia.
[3] http://www.malawi-cichliden2000.de/bau_einer_artemiaanlage.htm (offline) - Bau einer Artemiaanlage - für den größeren Bedarf.
[4] Billig & effizient, Salinenkrebse aus der Badewanne; Anton Weissenbacher, DATZ Ausgabe 1996/7 (Artikel bei Google Groups finden)
[5] Mein Salzteich - Artemia salina aus dem Gartenteich; Rudolf Suttner DATZ Ausgabe: 1994/3
[6] Werner Krafczyk, Tips, Erfahrungsbericht und Selbstbauanleitung (leider nicht mehr online).
[7] Helmut Pinter, Handbuch der Aquarienfisch-Zucht, Eugen Ulmer-Verlag 1998
[8] Yps Fanpage mit einer auch für Kinder verständlichen Erläuterung und Anleitung zur Dauerkultur.
[9] englischsprachiger Text Artemia FAQ 2.0 by Kai Schumann
[10] englischsprachiger Text Aquafauna Nutrient Analysis for Great Salt lake (GSL) Brine Shrimp Cysts
[11] Zierfische richtig füttern, Dr. Stephan Dreyer; bede-verlag Ruhmannsfelden 1995
[12] Vor allem von der Firma Dohse Aquaristik KG (Markenname "Hobby") sind zahlreiche Produkte und Hilfsmittel samt Anleitungen rund um Artemia im Handel.
[13] Hayo/Schwarz, Artemia – der Urzeitkrebs, M + S Verlag. Leicht verständliche Hintergrundinformationen.
Argentinische Artemia als Futterbasis - Beschreibung eines Daueransatzes auf dem Balkon (leider ohne Bezugsquelle für argentinische Artemia)

Zuchtanleitungen für andere Futtertiere
  • Aquarien- und Terrarienfreunde Coburg e. V. erklärt die Zucht von Artemia(Salinenkrebschen), Kleine Fruchtfliege (Drosophila melanogaster), Große Fruchtfliege (Drosophila hydei), Essigälchen, Enchyträen, Grindalwürmchen (in Arbeit), Mikrowürmchen, Japanische Kugelwasserflöhe (Moina), Wasserflöhe, (Daphnia), Pantoffeltierchen (Paramecien); das selbst Fangen von Lebendfutter und die Zusammensetzung verschiedener Futtertiere
  • Futterzuchten für Fische (Klaus Tegelhuetter) - Anleitungen und Tips zu: Kleine Fruchtfliege, Grindalwürmer, Kellerasseln, Springschwänze, Mikrowürmer, Essigälchen
  • DRAK Aquaristik erklärt im Kapitel "Futterkulturen" die Aufzucht von Daphnia, Drosophila, Essigälchen, Grindal, Mikro-Würmchen, Moina, Pantoffeltierchen

 

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(08/2001)·Logo, klein  Renate Husmann 1997-2007
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