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Der FEBI AquaSkimmer 500L im Test

 
 


Idee und Test-Vorbereitungen


Im November 1998 erhielt ich durch Herrn Manfred Schütt das Angebot, einen Süßwasser-Abschäumer der Firma FEBI kostenlos zu testen. Die Sache interessierte mich, und so sagte ich zu.

Ziel sollte es sein, herauszufinden ob so ein Gerät wirklich funktioniert und für welche Einsatzbereiche es geeignet ist. Vorstellbar sind insbesondere schadstoffbelastete Becken, also Aquarien von Einsteigern, die zu reichlich füttern oder überbesetzen, Aquarien mit ostafrikanischen Barschen und wenig oder keinen Pflanzen, evtl. auch Aufzuchtbecken oder solche mit empfindlichen Fischen. Ich erhoffe mir einen erfolgreichen Funktionstest, denn dann könnte ein Abschäumer eine interessante Ergänzung zur herkömmlichen Aquarientechnik sein.

Die Unterlagen, die ich dann zugeschickt bekam enthielten einen längeren Text, der die Funktionsweise des Gerätes sehr überzeugend beschreibt, 2 Meßtabellen (mit und ohne Abschäumer) mit Verlaufsdiagramm eines vorausgegangenen Tests in einem 528 l fassenden Becken (völlig andere Betriebstechnik als bei mir, aufgrund der Heizung über die Raumtemperatur schließe ich auf einen beneidenswerten Profi mit Fischkeller), eine aktuelle Preisliste und die Kopie einer Urkunde über den "Deutschen Innovationspreis 1996", den die Firma FEBI 1996 erhielt.

Nach diesen Unterlagen gibt es zwei Modelle: Den über eine Membranpumpe (nicht im Lieferumfang enthalten) betriebene AquaSkimmer mit einer Wasserumwälzung von 500l/h (199,- DM) und den mit einer eigenen Kreiselpumpe gelieferten TurboSkimmer, Wasserumwälzung 900l/h (553,- DM). Angaben zu geeigneten Beckengrößen und -arten vermisse ich. Von FEBI genannte Argumente für den Einsatz sind:

  1. Abtrennen von organischen Belastungen und Entfernung aus dem Aquarienkreislauf
  2. Umwälzung des Wassers
  3. biologische Filterung des Wassers
  4. Anreicherung des Wassers mit Sauerstoff
  5. sehr wartungsarm
  6. leise Betriebsgeräusche
  7. geringer Energiebedarf

Aufgrund der Bauhöhe des Modells AquaSkimmer von 49 cm, das ich bekommen werde sind nur zwei meiner Becken für den Test geeignet: Ein 450l-Gesellschaftsbecken mit Regenbogenfischen im Wohnzimmer, und die 200l Tanganjikasee in meinem Büro. Da ein vermehrter Sauerstoffeintrag im Gesellschaftsbecken nicht erwünscht ist (CO2-Düngung) und ich die Geräusche der OPTIMA-Membranpumpe im Wohnzimmer nicht rund um die Uhr hören möchte entscheide ich mich für Ostafrika als Testgebiet. Dort leben 5 verschiedene Barschpaare, viel Nachwuchs und ein großer Harnischwels. Pflanzen tragen kaum zur Schadstoffvernichtung bei - meine pflanzenmordenen Marisa rotula (Schnecken) lassen üppiges Grün nicht zu.

Also messe ich in diesem Aquarium regelmäßig die Wasserwerte mit Tropftests. Das tue ich sonst eher selten, eine regelmäßige Überprüfung mit eSHa- oder DENNERLE-Tauchtests genügt mir. Die Teststreifen sind für den späteren Vergleich leider nicht genau genug. Im Januar ist eine Krankheitsbehandlung notwendig (5 Medikamentengaben jeden zweiten Tag, mit einem jeweils anschließenden 80%igen Wasserwechsel und außerdem einer kompletten Desinfektion). Ich möchte das Aquarium mit Hilfe des Abschäumers neu einfahren.

 
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Funktionsprinzip

Allgemein

Das Prinzip der sog. "Flotation" (Anlagerung von Gasblasen an in Flüssigkeiten gelöste Feststoffe) wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Entfernung  von Schadstoffen aus Flüssigkeiten  industriell genutzt: Am Anfang in der Erzaufbereitung, später auch in der Abwasserentsorgung. Die hier üblichen Verfahren (z.B. die Durckentspannungsflotation) sind für den Betrieb an Aquarienanlagen nicht geeignet.

Schnittzeichnung durch den FEBI AquaSkimmerSalzwasser weist aufgrund seiner Dichte bereits die entscheidenden Eingenschaften zur technisch einfach zu realisierenden Eiweißabschäumung auf. Dabei werden winzige Luftblasen erzeugt, an die sich Eiweißmoleküle in sehr dünner Schicht anlagern, die  weitere Schmutzpartikel binden (eine Unterscheidung zwischen "gut" und "böse" findet nicht statt, auch Vitamine und Spurenelemente können gebunden werden). Je kleiner die erzeugten Blasen sind, desto größer ist die Gesamt-Oberfläche, desto effektiver die Abschäumung. Im Meerwasser haben sie die richtige Größe und bleiben lange stabil. Der entstehende Schaumteppich kann abgeschöpft werden. Die Menge des dabei verbrauchten Wassers beläuft sich in einem 600 l-Aquarium auf 0,25 - 0,5 l/Tag. Mehr ist üngünstig, denn dafür mußte die Durchlaufgeschwindigkeit des Wassers erhöht werden, dann "reißen" die eingefangenen Partikel von der Luftblase ab und gelangen erneut in den Kreislauf. Die Folge sind u. a steigende Nitratwerte.
 

Der FEBI AquaSkimmer 500 L

Das Problem eines Süßwasser-Abschäumers sind die großen, sehr schnell zerplatzenden Blasen. Sie lassen einen Schaumteppich nicht zu.

Arbeitsweise des AquaSkimmer: Von einem feinporigen Ausströmerstein werden Luftblasen erzeugt, die beim Aufsteigen Wasser ansaugen, mit Sauerstoff anreichern und Aufschäumen. Bis hierhin würde der Prozeß auch im Seewasser funktionieren. Aber im Süßwasser-Aquarium  müssen die Blasen physikalisch stabilisiert werden. Das geschieht im Schaumreaktor oberhalb der Wasseroberfläche, wo sie ca. 3 mm messende Bohrungen durchwandern und erst under dem Klarsicht-Deckel zerplatzen. Das dabei anfallende Wasser läuft aus dem Schmutzablauf aus dem Aquarium heraus.
 


Installation

Am 9.2.99 hole ich das Paket mit dem Testobjekt von der Post ab. Aus der Bedienungsanleitung gehen zum ersten Mal alle wichtigen technischen Daten hervor:

  1. Geeignet für Aquarien bis ca. 500 Liter (bei durchschnittlichem Fischbesatz)
  2. Befestigung: 2 Edelstahlhaken
  3. Bauhöhe: ca. 49 cm
  4. Höhe über Aquarienrand: ca. 5 cm
  5. Mindestwasserstand: 35 mm (von Ansaugöffnung)
  6. Luftzufuhr: ca. 300 Liter je Stunde
  7. Abgeschäumtes Schmutzwasser: 5-20 Liter/Tag
  8. Umwälzleistung: ca. 500 Liter/Stunde

Der probeweise Zusammenbau erweist sich als erstaunlich einfach. Fein. Aber die Abmessungen sind sehr ausladend. Wenn ich das Gerät in meinem 200l-Becken unterbringen möchte, muß ich die nach der Beckendesinfektion neu gesetzte Kalkstein-Dekoration wieder herausnehmen. Das ist mir zu viel Streß für die gerade behandelten Tiere. Außerdem, so finde ich noch rechtzeitig heraus, sind die Abdeckung (JUWEL "Multilux") und der AquaSkimmer inkompatibel. Offensichtlich ist er für offene Becken konstruiert, bei bestimmungsgemäßem Einbau muß entweder die Lichtleiste entfernt werden weil der Überstand des Gerätes über das Becken zu groß ist, oder der Wasserstand um mehrere Zentimeter unter die Abdeckungs-Unterkante abgesenkt werden. Beides ist indiskutabel. Vergleichbare Probleme dürften bei allen handelsüblichen Abdeckungen auftreten, Ausnahmen sind vielleicht Klappkonstruktionen, wie sie von EHEIM ("professionell") angeboten werden. Ein diesbezüglicher Hinweis von FEBI fehlt in allen Unterlagen, die ich besitze.

Der Abschäumer im Einsatz, ganz hinten im Schatten ist SIPORAX zu erkennenAlso bereite ich den Einbau in meinen 450l-Becken vor. So schlecht ist die Idee doch nicht, denn meine Regenbogenfische benötigen sehr sauberes Wasser, um ihre Farben zu zeigen und zu balzen. Außerdem kann ich jetzt die Auswirkungen auf den Pflanzenwuchs beobachten. Die dort für Notfälle (z.B. Krankheitsbehandlungen, Filterausfälle) installierte Membranpumpe Typ OPTIMA ist sehr laut. Lt. Bedienungsanleitung sind statt dessen WISA 300 (ca. 250,- DM; 2,3 kg) oder RENA AIR 400 (ca. 150,- DM) gut geeignet. Solche Profigeräte brauche ich nicht, und ein Vergleich meiner Pumpe beim Händler mit einer TETRA WHISPER 8000 spricht deutlich für das TETRA-Modell, zunächst. Aber das ist ein Irrtum, denn für den Abschäumer-Betrieb muß sie unter Vollast laufen, und dann ist die Geräuschentwicklung identisch. Egal, mein Händler tauscht um und ich setze doch das Gerät von RENA ein. - Der Raum um das Steigrohr soll lt. Hersteller mit einem Liter SIPORAX aufgefüllt werden, um eine zusätzliche biologische Filterung zu erreichen. Also werde ich nicht nur den Abschäumer testen, sondern auch die Effektivität von SIPORAX ... .

Zur Befestigung des Abschäumers im Aquarium sind zwei Edelstahlhaken vorgesehen, die über die Glaskante gehängt werden. Das mag für offene Aquarien passen, für dieses geschlossene mit selbstgebauter Abdeckung aus Aluminium-Profilen paßt es nicht. Also bohren wir in die Schiene, auf der die Lichtleisten liegen zwei Löcher und befestigen das Gerät mit kunststoffummanteltem Draht. Von unten wird es mit Wurzeln und Steinen festgekeilt. Sicher ist ein eleganterer Einbau machbar, dazu müssen aber die vorhandenen Schläuche, Kabel und sonstigen Installationen verändert werden. Das macht in diesem Moment noch keinen Sinn. Genau in der Ecke, wie es zu wünschen wäre, ist das Gerät sowieso nicht unterzubringen, denn die waagerechen Verstärkungskanten aus Glas sind zu lang und lassen nicht genug Platz in der Ecke von Seitenscheibe und Rückwand.

Liste Klick mich zum Vergrößern
Zwei Bilder: Wasser-Auffangvorrichtung und Abschäumer von oben

Die Lichtleiste liegt jetzt schräg, nicht mehr parallel zur Rückwand, weil der Deckel des AquaSkimmer mit einer Leuchtstoffröhre kollidiert. Die Befestigung ist so konzipiert, daß das abgeschäumte Wasser nach hinten, über der Rückwand, abegeleitet wird. Die entsprechende Öffnung befindet sich in diesem Aquarium aber an der Seite, der Ablauf-Schlauch muß deshalb geknickt werden. Eine Eckumlenkung kommt nicht in Frage, denn dann stimmt das Gefälle nicht mehr und das abgeschäumte Wasser läuft zurück. Ein Aquarium, in das sich dieses Modell problemlos einbauen läßt muß speziell angefertigt werden, scheint mir. (Das kleine Klick-mich-Bild rechts zeigt vergrößert den Unterschrank mit Auffangvorrsichtung und den Abschäumer in Betrieb von oben.)

Die Hinweise zur Einstellung des AquaSkimmer sind leicht verständlich. Durch Drehen der Regelungseinheit und ggf. Öffnen oder Verschließen zweier Öffnungen im unteren Bereich soll der vom Ausströmer produzierte Schaum gerade eben den Deckel des Schaumreaktors erreichen und dort zerplatzen. Es wird mehrere Tage dauern, bis das Abschäumvolumen richtig eingestellt ist. Möglich sind lt. Betriebsanleitung 5-20 Liter täglich, ich möchte es mit etwa 6 Litern versuchen. Das bedeutet aber auch, daß das Verkaufsargument "wartungsarm" bei mir nicht zutrifft. Bei sechs Litern Wasser, die täglich aus dem Aquarium laufen muß ich täglich 1-2 Mal das Auffanggefäß leeren und 2-3 Mal täglich das Aquarienwasser auffüllen, sonst plätschert der Ausstömer des Filters deutlich hörbar und wäscht das gerade zugegebene CO2 aus. "Wartungsarm" ist der AquaSkimmer also nur mit Anschluß direkt an den Wasserhahn und Niveauregelung sowie eine direkte Leitung des Abwassers in den Abfluß.

Leider kann ich das Gerät nicht in der Dekoration verstecken, der ästhetische Eindruck der hell durch die Crinum taianum leuchtenden SIPORAX-Röhrchen ist bescheiden. Warum gibt es keine Ummantelung im Angebot?


Die tägliche Praxis ...

... ist arbeitsreich. Damit die Menge des abgeschäumten Wassers konstant bleibt, muß ich ca. 3 Mal täglich Wasser nachfüllen. Es dauert etwa 5 Tage, bis die abgeschäumte Menge stimmt und ich weiß, wann ich Wasser nachfüllen muß. Nach jedem Wasserwechsel muß ich, aufgrund der improvisierten Aufhängung, nachregeln. Das führt mehrfach zum Überlaufen der Auffangbehälter.

Die Regenbogenfische zeigen mehr Farbe, ihnen gefällt das Gerät sichtlich. Damit sind sie in diesem Haushalt sehr alleine.


Der Ausbau ...

... nach 8 Wochen ging erwartungsgemäß schnell, alle Teile ließen sich leicht mit Filterwatte reinigen. Der Schlamm im Inneren zwischen den SIPORAX-Röllchen ähnelte gewöhnlichem Filterschlamm. Darin lebten etwa 10 Posthornschnecken, deren Gehäuse extrem dünn war, und ca. 30 2 mm kleine Turmdeckelschnecken.

Im Wohnzimmer ist es erstaunlich ruhig geworden, es ist entspannend, nicht mehr regelmäßig Auffangbehälter und Wasserstand im Becken prüfen zu müssen <g>.

 
 

(04/1999)·Logo, klein  Renate Husmann 1997-2007
URL dieses Dokumentes: http://www.rhusmann.de/aqua/abs_test.htm