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Fischtuberkulose

Erfahrungen mit Copella sp.
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Angeregt durch das Buch "Sonderlinge im Aquarium"[1] und nach gründlicher Information über die Hälterungsbedingungen erwarb ich im Juni '96 zwölf fast erwachsene Spritzsalmler, die mir als Copella arnoldi verkauft wurden (was wohl falsch ist, vermutlich waren es Copella natteri). Nur drei Stück davon lebten nach zwei Monaten noch ... und das kam so:

  Liste Vorgeschichte
Liste Anfertigen eines Präparates
Liste Die Diagnose
Liste Noch mehr Spritzsalmler!
Liste Noch mehr Spritzsalmler?
Liste Fischtuberkulose und Gefährdung von Menschen
Liste Literatur


Vorgeschichte

junges Copella sp. Weibchen
Copella sp. Weibchen
Woche 1 nach dem Kauf: Alles in bester Ordnung. Die Tiere wirken zwar etwas mager, aber ziehen lebhaft im Schwarm durchs Becken und fressen gierig, einige nehmen deutlich zu. Ich mag Spritzsalmler.

Woche 2: Einige Exemplare bekommen helle Stellen auf der Schleimhaut.

Woche 3: Innerhalb weniger Tage sterben drei der Tiere, alle drei sind ziemlich mager. Einige andere werden fleckig. Zuerst ist die Verfärbung hell, klar abgegrenzt und sieht wie eine Hauttrübung aus, die ganze Körperteile bedeckt, bald jedoch entwickeln sich auch große, dunkle Flecken. Meine Literatur[3] läßt befürchten, daß es sich um Fischtuberkulose handelt.

Copella sp. Männchen mit Fisch-TB
Männchen mit TB
Woche 4: Zwei weitere Tiere gehen ein, drei entwickeln rote Geschwüre, jetzt will ich es genau wissen. Ich rufe bei der TIERÄRZTLICHEN HOCHSCHULE HANNOVER an. Frau Ernst erklärt mir, daß sie für eine korrekte Diagnose unbedingt einen Fisch braucht, möglichst einen lebenden oder einen frischtoten. Das ist schwer möglich, denn Hannover ist 120 km weg. Also beschreibt sie mir genau wie ich ein Präparat herstelle und einschicke.
Vorher fotografiere ich das am schlimmsten erkrankte Tier, das ich dann töten und präparieren will. Die Qualität ist leider nicht besonders gut - aber auch auf diesem Bild sind die auffallende Färbung und ein Geschwür zu erkennen. Kein mm² der Hautoberfläche hat mehr den natürlichen hellbraunen Farbton.

Die Wasserwechsel im Quarantänebecken mache ich zu diesem Zeitpunkt schon einige Zeit gesondert und 3 Mal wöchentlich (10-20% mit möglichst wenig Planscherei und ohne Arbeiten an den Pflanzen), außerden füttere ich weniger und belüfte. Wenn ich ins Wasser fassen muß benutze ich Handschuhe.

Anfertigen eines Präparates

Zuerst muß ich das Tier töten, dafür habe ich mir beim Tierarzt TRICAIN[4] besorgt. Für eine anschließende Untersuchung im Labor ist das die günstigste Methode, und auf andere Weise schaffe ich das sowieso nicht :-(((.

Dann soll es zerteilt werden und mir wird übel. Mit scharfen Grafikermessern schaffe ich es dann doch noch. Der Schwanz mit einen Geschwür drauf wird trocken, nicht im Wasser liegend eingefroren (in dem Wasser können sich Bakterien ausgezeichnet vermehren) und nachher in Eis verpackt. Das vordere Ende soll mit tief eingeschnittener Bauchhöhle (Nagelschere, Organe sollen sichtbar sein damit alles gut konserviert wird) in 70%tigen Alkohol aus der Apotheke gelegt werden. Das schaffe ich nicht und steche die Bauchhöhle nur einige Male ein (für eine optimale bakteriologische Untersuchung reicht das nicht!!!).

Anschließend wird alles gut verpackt und so zur Post gebracht, daß es am nächsten Tag in Hannover ist. Sagt die Post, aber es dauert einen Tag länger.

Die Diagnose

Telefonisch, sofort nach ihrer Untersuchung teilt mir Frau Ernst mit, daß sich der Verdacht leider bestätigt und daß sie Tuberkulosebakterien gefunden hat.

Einige Tage später erhalte ich dann einen schriftlichen Untersuchungsbericht, in dem sie u.a. schreibt:

"Viele Fische tragen latent eine Infektion mit Mycobakterien in sich, ohne daß es zum Ausbruch von Symptomen kommt. Die Erfahrung hat gezeigt, daß häufig dann, wenn neue Lebensumstände auftreten (Verkauf), der Streß in der Haltungseinheit zunimmt (Neukauf von Fischen, Balz, usw.) oder die Haltungsbedingungen mangelhaft sind, es zum Ausbruch der Krankheit kommt. Im weiteren scheint die Genetik der Tiere bei der Empfänglichkeit der Infektion eine Rolle zu spielen und die Qualität der bisherigen Haltung.

Einige Fische können trotz bereits aufgetretener Symptome noch sehr lange leben, wenn die auslösenden Störfaktoren beseitigt werden.

Medikamentös ist die Infektion nicht zu behandeln, ein Vitaminisieren des Futters stärkt in jedem Fall die Abwehrkräfte der Fische. Macht ein Tier des Bestandes einen moribunden Eindruck, sollte es entfernt werden, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren."

Mit dem Untersuchungsbricht erhielt ich auch eine Rechnung über 30,- DM. Das war's mir wert.

Die Überlebenden werden möglichst mit Lebendfutter (weiße Mückenlarven, Artemia) gefüttert, Trocken- und Frostfutter wird vitaminisiert. Trotzdem muß ich noch einige töten.

Noch mehr Spritzsalmler!

Drei weibliche Überlebende machen wenig Sinn dachte ich mir, und erwarb bei einem anderen Händler noch einmal 5 Tiere etwa ein halbes Jahr später. Auch diese waren sehr schlank, aber ich ging das Risiko ein, weil ich ein Quarantänebecken habe. Ich freute mich sogar über den Fund, danach hatte ich mehrere Monate gesucht. Auch diese bekamen wieder helle Flecken, aber diesmal saß die Verfärbung deutlich nicht in der Schleimhaut, sondern wie ein Film darauf. Alle Anzeichen deuteten auf Chilodonella hin. Also bestellte ich mir bei meinem Tierarzt die Zutaten, um FMC[2] anrühren zu können (nach Bassleer, bzw. Tip von Klaus Weber). Nach 3 Tagen war alles in Ordnung, und Verluste gab es diesmal auch nicht.

Eine Woche später besuchte ich eine große Hamburger Zoohandlung, und fand zwei Becken mit sehr jungen Spritzsalmlern, insgesamt ca. 200 Stück. Diese waren völlig abgemagert, und es gab kaum eine Körperstelle die nicht von einem weißen Belag bedeckt war. Das Bild war erschreckend!

Noch mehr Spritzsalmler?

älteres Copella sp. Weibchen
älteres Copella sp. Weibchen

Nein, ganz sicher nicht, jedenfalls nicht diese Art. Der Besuch in Hamburg hat mich kuriert.

Da die Probleme immer unmittelbar nach dem Kauf auftraten und keine anderen Fische ähnliche Symptome zeigten, ist die Ursache mit ziemlicher Sicherheit beim Importeur zu suchen und nicht in meinen Becken. Vielleicht sind sie nur nicht so aquariengeeignet wie Copella arnoldi? Meinen geht es inzwischen ganz gut, aber sie brauchen offensichtlich Lebend- und Frostfutter, Trockenfutter scheint ihnen nicht zu bekommen. Das nebenstehende Foto entstand im Mai '97.

Fischtuberkulose und Gefährdung von Menschen

Der Hautarzt Thomas Kaiser schreibt dazu im Dezember '98 in de.rec.tiere.aquaristik:

"Die auf den Menschen übertragene Form der Fischtuberkulose wird als Schwimmbadgranulom bezeichnet. Der Erreger dieser Erkrankung heißt Mycobacterium marinum . Dieser Keim kann durch kleine Hautverletzungen eintreten. Dem entsprechend treten die Beschwerden meist an den Händen bzw. Armen auf. Gewöhnlich entstehen am Ort der Verletzung innerhalb von 2-4 Wochen blaurote entzündliche Knoten von bis zu 2 cm. Gelegentlich treten am Arm in einer Reihe mehrer dieser Knoten auf. Dies ist dann die Folge einer Ausbreitung der Erreger über die Lymphbahnen. Nachweisen lässt sich die Erkrankung durch typische Veränderungen in einer Gewebeprobe oder durch den Nachweis der Erreger in einer Kultur.
 
Ich habe während meiner 5-jährigen Facharztausbildung in einer Uniklinik 4 oder 5 Fälle gesehen. Die Krankheit ist also eher selten. Das Krankheitsbild ist daher nicht sehr bekannt, die Knoten werden häufig für Abszesse gehalten. Einzelne Stellen kann man operativ entfernen. Häufig ist aber die Einnahme von Antibiotika über mehrere Wochen nötig.
 
Ich habe mein Wissen über das Schwimmbadgranulom während meiner Ausbildung aus einem Fachbuch bezogen. Das Buch heißt: Dermatologie und Venerologie von O. Braun-Falco, G.Plewig, H.H. Wolff. Es ist im Springer-Verlag erschienen. In der 4. Auflage stehen die Ausführungen über das Schwimmbadgranulom auf den Seiten 239-240. Es sind leider keine Bilder dabei."

 

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Literatur und Hinweise

[1] Hellmut Stallknecht, Sonderlinge im Aquarium, Tetra Verlag 1995
[2] Gerald Bassleer, Bildatlas der Fischkrankheiten, Naturbuch-Verlag 1996
[3] Dieter Untergasser, Krankheiten der Aquarienfische, Franckh'sche Verlagshandlung Stuttgart 1989
[4] Tricain heißt auch MS222 und wird meistens als Betäubungsmittel eingesetzt. Es ist sehr teuer.
[5] Resistenzen und andere Probleme ..., Dr. Petra Kölle, Rudolf Hoffmann; DATZ Ausgabe 1996/10, Seite 662 - Grundwissen zum Thema "Verschreibungspflichtige Medikamente"

 

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